Donnerstag, 9. April 2026

Entdecker-Decke

Huhu, Ihr Lieben!

Ja, ich hab auch nicht mehr dran geglaubt, dass ich den Blog mal wieder reanimiere, aber manchmal überrasche ich mich selber! Aber auch das jüngste Töchterlein hat für eine schöne Überraschung gesorgt, indem es mir passenderweise um den Muttertag 2025 herum eine sehr frohe Botschaft verkündete. Tja, und seit November sind wir Großeltern und somit offiziell berechtigt, die elterliche Erziehung zu sabotieren :-) 

Natürlich hab ich mich gleich daran gesetzt und alles mögliche für den Kleinen gebastelt: Schnullerketten, Rasseln, ein Mobile, ein Kuscheltier, usw. - das füllt einen weiteren Blogpost, versprochen! Und jetzt, wo der Knirps anfängt, die Welt zu erkunden und ich ja schon einige Quilts in meinem Leben genäht habe, hat sich das Töchterlein einen solchen gewünscht, allerdings mit Zusatzfunktion. 

Wie - Zusatzfunktion? Was'n das? Unser Enkel ist zur Zeit sehr fasziniert von Strukturen, Oberflächen, Textilien, Materialien - anfassen, angucken, anlecken - und das sollte sich in dem Quilt irgendwie wiederfinden; eine Entdecker-Decke sozusagen. (Ob ich mir wohl den Namen sichern soll?) Eine grobe Vorstellung hatte ich schon, denn wenn man sich auch nur ein bisschen mit Babyspielzeug, Krabbeldecken und Co. beschäftigt, hat man schon das eine oder andere gesehen, das in die Richtung geht. Aber ich habe bewusst auf Anleitungen oder Beispiele verzichtet, denn ich wollte nichts einfach nur kopieren, sondern es sollte eine ganz individuelle Decke mit meinen eigenen Ideen werden.

Seit einem guten Jahr habe ich das Häkeln wieder für mich entdeckt. Es lag eine ganze Weile brach, da ich in meiner Sturm- und Drangzeit erst viel gestrickt und mich danach sehr aufs Nähen konzentriert hatte. Hier in Malta sitze ich jetzt zwei mal täglich gute 45 Minuten im Bus, für Projekte mit der Nähmaschine eher ungeeignet, und bei den Straßenverhältnissen mit spitzen Stricknadeln zu hantieren, ist auch nicht ganz ungefährlich. Also die ideale Gelegenheit, die Häkelnadel wieder auszugraben - in ausschließlich friedlicher Absicht, versteht sich! Und so hab ich mir gedacht, ich könnte doch beide Techniken miteinander verbinden, will heißen, ich nähe eine einfache Decke, unterteile sie in einzelne Felder, und die gestalte ich dann mit den verschiedensten gehäkelten Sachen, die ein Baby/Kleinkind hoffentlich superinteressant und spannend findet.


Es versteht sich von selbst, dass alles absolut kindersicher sein sollte, deshalb musste ich mich von ein, zwei Ideen verabschieden, weil die Gefahr einfach zu groß war, dass etwas abgenagt oder verschluckt werden konnte. Tja, und so bin ich also eines Samstags losgezogen, um geeigneten Stoff zu erlegen.

Die Jagd war erfolgreich, wie man hier sehen kann:


Ich hatte mich für Jeansstoff und eine dicke Füllung entschieden, denn das ist strapazierfähig, gut waschbar, unempfindlich und außerdem der ideale Hintergrund für fröhlich-bunte Applikationen. Ich bin nämlich nicht so der Fan von zarten Pastellfarben...

Soweit, so gut. Es sollten also drei Reihen mit jeweils fünf Quadraten werden. Das passte ziemlich gut, denn für die Felder der mittleren Reihe hatte ich nur Zwergis Namen vorgesehen, also ganz flach, damit er gut darauf liegen und von da aus die anderen Felder begutachten kann. Sehr praktisch, dass der Kleine Jonas heißt! Die anderen Pendler im Bus konnten also in den folgenden Tagen zuschauen, wie ich die einzelnen Buchstaben gehäkelt hab, und ihr könnt euch per Foto ein Bild davon machen:


Das war recht einfach, und weil ich beim Stoffkauf auch gleich noch zwei riesige Knöpfe gekauft hatte, waren die nächsten beiden Felder auch schon erledigt: Von meiner Kühltaschen-Näh-Aktion hatte ich noch Sonnenblenden-Material übrig, das habe ich zugeschnitten, umhäkelt und als eine Art Klappe auf die Felder genäht. Dann noch sorgfältig die beiden Knöpfe angebracht und schon hatte ich die ersten beiden Quadrate fertig.


Und wo wir gerade so schön bei Verschlüssen sind, gibt es noch eine Gürtelschnalle dazu. Ihr habt bestimmt früher auch so einen Stoffgürtel gehabt, der zuerst durch zwei Ringe und dann nochmal nur durch einen gefädelt werden musste (ich kann mich jedenfalls noch lebhaft an diese Art Gürtel erinnern). Ich hatte noch zwei unbehandelte Buchenholzringe und etwas türkises Baumwollgarn et voilá:

Wenn das mit dem Einfädeln noch nicht so klappt, drauf rumkauen klappt bestimmt! Außerdem soll die Decke ja für die nächsten Monate und nicht nur für ein paar Tage spannend sein. Ich hatte dann noch vier von diesen Ringen, und hab damit gleich weitergemacht. Einfach mit Garn in verschiedenen Farben befestigt, und er kann sie drehen und klappen.

Da Jonas mit zwei Stubentigern aufwächst, wollte ich logischerweise auch eine Miezekatze auf der Decke verewigen. Meine Idee war, die Katze in der Mitte eines Feldes anzubringen und den Schwanz lang runterhängen zu lassen. (Klingt komisch, ist aber so.) Der sächsische Wetterhamster als erfahrener Vater hat dringend davon abgeraten, denn der Knirps könnte den in den Mund nehmen und verschlucken. Auch einen Knoten in den Schwanz zu machen und ihn so zu verkürzen war für ihn keine sichere Option (das muss so ein Männerding sein :-D). Er hatte den glorreichen Einfall, die Katze eher so seitlich am Feldrand anzubringen und den Schwanz an der Kante wie eine Art Henkel oder Griff zu befestigen. Gute Idee, fand ich; allerdings war das Feld jetzt noch etwas leer, und deswegen hab ich noch eine Tatze (mit Rassel drin) gehäkelt. Damit man die Rassel auch als solche wahrnimmt, muss sie sich bewegen können, also hab ich sie nur am unteren Rand festgenäht, jetzt kann die Tatze wie bei einer chinesischen Winkekatze rauf und runter wackeln.


Das nächste Betätigungsfeld entstand eher durch Zufall. Ich hatte Einkaufsnetze gehäkelt, sie dann aber wieder aufgetrennt, und die Henkel waren noch intakt. Die habe ich dann kurzerhand genommen und kleine verschiedenfarbige Ringe gehäkelt und sie aufgefädelt. Das habe ich dann auf die Decke genäht, ein bisschen so wie die Rechenschieber von früher, wo man Holzperlen auf einer Stange von links nach rechts verschieben konnte - nur eben in meinem Fall von oben nach untern.


Als nächstes habe ich eine Blume gehäkelt - also erst mal die Mitte in Sonnengelb und dann jede Menge bunter Blütenblätter, die ich aber nur an einer Stelle befestigt hab, sodass sie besser angefasst werden können. Um das Erlebnis noch zu intensivieren, hab ich die Blätter mit Bratschlauch gefüllt, damit sie schön knistern. (Ja, ihr lest richtig! Diese Folie ist genial, sie verträgt Wasser und Hitze - sollte sie auch, wenn sie im Backofen verwendet wird - und sie macht so knisternde Geräusche, also einfach ideal.)


Das nächste Feld hab ich in zwei Etappen erstellt, denn mit der ersten Variante war ich einfach nicht zufrieden. Ich hatte eine Raupe gehäkelt - die oberen Segmente hatte ich mit weicher Füllwatte gestopft und in die kleinen am unteren Ende hatte ich Holzperlen eingefüllt. Irgendwie war das aber langweilig, und so hab ich kurzerhand noch bunte Flügel drangemacht, und fertig war der Schmetterling. Da fällt mir doch glatt dieses Metamorphosen-Gedicht ein:

Ich bin eine Raupe, 
du bist ein Reh. 
Aus mir wird ein Schmetterling, 
du wirst Filet!


Der Körper ist an der Decke befestigt, die Flügel jedoch nur am Körper, so dass sie ein bisschen flattern können.

Wer mitgezählt hat, weiß, dass jetzt nur noch zwei Felder fehlen. Für das eine wollte ich was mit Autos machen, aber mir ist leider keine absolut Kleinkind-sichere Variante eingefallen, mit der ich die Autoreifen so hätte befestigen können, dass sie sich drehen. Also hab ich sie statisch belassen und stattdessen eine Ampel gehäkelt - Erziehungsauftrag erfüllt, würde ich sagen.


Und last but not least kam noch was zum Thema Verkehr - schließlich wohnt der Knirps im Einzugsgebiet von Stuttgart 21. Es gab also einen Güterzug mit Dampflok - auch mit Knisterfolie gefüllt und die Ladung auf dem Waggon ist etwas erhaben, genauso wie der Dampf.


Und in ihrer gesamten Pracht sieht die Entdecker-Decke so aus:


Ich gestehe allerdings, dass man das in bewegter Form besser vorstellen kann als mit bloßen Bildern plus Beschreibung. Und deshalb habe ich ein Video erstellt - ich hoffe sehr, man kann was sehen und hören!


Ist das jetzt Fishing for Compliments? Vielleicht. Bin ich ein bisschen stolz? Ja. Hat Jonas Spaß dran? Definitiv!!!

In diesem Sinne - gehabt Euch wohl und genießt den Frühling!




Dienstag, 29. April 2025

...und was kam jetzt dabei raus?

Hallo, Ihr Lieben!

Ostern ist mittlerweile vorbei, alle Eier gesucht, gefunden und verspeist, und Ihr fragt Euch, ob denn die Fastenzeit was gebracht hat? Also nicht primär spirituell, sondern eventuell auf der Waage.

Und was soll ich sagen? Yup, hat funktioniert - 7 Pfund in 7 Wochen! Mit Ozempic oder Wegovy wäre es eventuell mehr gewesen, aber das ist ein ganz anderes Buch, das ich lieber nicht aufschlagen möchte.

War es anstrengend? Nein, nicht wirklich. Hab ich Hunger gehabt? Ja, schon, aber immer nur kurzfristig. Bisschen Wasser trinken und das Magenknurren war Geschichte. Hab ich mich irgendwie besser gefühlt? Hm, manchmal hatte ich am Wochenende morgens unendlich Energie und hab so sinnlose Sachen gemacht wie die Terrasse fegen oder das Auto putzen :-) Aber ich hab auch Tage gehabt, da bin ich nach der Morgenrunde mit dem Hund einfach wieder ins Bett gegangen und hab noch ein bisschen an der Matratze gehorcht, ich musste ja erst mal kein Frühstück machen! 

Machen wir weiter? Erst mal ja! Wobei ich sagen muss, wir sind jetzt keine Sklaven der Uhr. Wenn wir z. B. zum Frühstück eingeladen würden, würden wir wahrscheinlich was essen. Und wenn wir Übernachtungsbesuch hätten, würden wir die Leute auch nicht zwingen, bis ein Uhr mittags zu warten. Aber grundsätzlich machen wir mal weiter, denn dieses Intervallfasten hat zumindest dazu geführt, dass wir kleinere Portionen zu uns nehmen, und das ist ja prinzipiell nicht schlecht. Ich weiß nicht, ob wir jetzt noch weiter abnehmen, aber ich schätze, es hilft uns auf jeden Fall, nicht mehr drastisch zuzunehmen. Und das ist ja schon mal was.


In diesem Sinne lasst es Euch gutgehen!

Mittwoch, 12. März 2025

Accountability und so

Hallo Ihr Lieben,

seit genau einer Woche machen der sächsische Wetterhamster und ich nun Intervallfasten. Wie geht es uns dabei? Ich kann ja nur für mich sprechen, aber es geht besser, als ich gehofft hatte. Klar hab ich manchmal so ein kleines Hüngerchen. Aber da wir recht ausgewogen essen, habe ich keine Heißhungerattacken und auch nicht das Gefühl, große Opfer zu bringen. 

Am Samstag war es sogar so, dass wir beide - statt wie sonst so gegen neun mal anfangen zu frühstücken, dann noch sitzenbleiben und auf dem Handy scrollen und ehe man sich versieht, ist es Mittag - einen richtigen Aktivitätsschub hatten. Einfach raus aus dem Bett und was machen! OK, bei mir war das dann Fenster putzen und Terrasse kehren, aber das muss ja auch erledigt werden. Und so hatten wir dann um eins unser sehr wohlverdientes Frühstück. Gutes Gefühl, muss ich sagen.

Habe ich was anders gemacht als geplant? Ja, hab ich. Zum einen wie gerade schon beschrieben haben wir es auch am Wochenende durchgezogen, obwohl wir uns ja nur auf die Werktage beschränken wollten. Doch wir wollten unsere Metabolismen nicht völlig durcheinanderschütteln - ein bisschen Konstanz ist da nicht verkehrt, sonst ist der Körper ja ständig mit Anpassen beschäftigt. 

Außerdem war das Ess-Fenster von 12 bis 20 Uhr nicht so ganz praktisch für uns, sodass wir um eine Stunde auf 13 bis 21 Uhr verschoben haben. Damit kommen wir gut klar, und wenn es auch heißt, man solle nicht so spät zu Abend essen, ist das beispielsweise den Italienern oder Spaniern herzlich egal! 

Hat es auf der Waage was gebracht? Ja, 1,2 kg, yay! Ich erwarte nicht, dass das so weitergeht, hab mich aber trotzdem gefreut.


In diesem Sinne gehabt euch wohl!

Mittwoch, 5. März 2025

Fast'n Tagebuch

Huhu, Ihr Lieben!

Zwar hat das mit dem Karneval feiern in Eschweiler nicht so ganz geklappt, aber ich hab das Ganze dank Social Media zumindest ein bisschen verfolgen können. Live Stream wäre schön gewesen, aber nur der Aachener Zug ist übertragen worden - dabei ist der in Eschweiler viel länger und spektakulärer! 

Anyway, am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei, und gleichzeitig beginnt die Fastenzeit. Normalerweise hab ich mit der Fastenzeit genauso wenig am Hut wie mit guten Vorsätzen an Neujahr, aber diesmal will ich mich tatsächlich beteiligen. Der spirituelle Gedanke dahinter ist ja, dass man nach der Völlerei und Feierei sich mal wieder aufs Wesentliche besinnt und sich durch selbstgewählten Verzicht bewusst macht, was man eigentlich alles hat und wie gut es einem geht (und dass es andere vielleicht nicht so gut haben). 

Dieser Aspekt ist aber - wenn ich ehrlich bin - nebensächlich, wobei ich durchaus dafür bin, mal kurz innezuhalten und sich vor Augen zu führen, wie gut es mir persönlich geht. Was mich aber eigentlich dazu bewogen hat, mich an der Fastenzeit zu beteiligen dieses Jahr, war die Tatsache, dass ich vor gut einem Jahr im Januar einen Gesundheits-Checkup hatte und mit der Zahl auf der Waage sehr zufrieden war. Kurz danach wurde bei uns im Office für die Rezeption (also auch für mich) eine Uniform maßgeschneidert. Seitdem gehe ich also verkleidet als Flugbegleiterin zur Arbeit - nicht meine erste Wahl, aber einerseits brauche ich so weniger neue Klamotten und andererseits muss ich mir morgens nicht lange überlegen, was ich anziehen soll. 

In der letzten Zeit war das Kostümchen aber nicht mehr so bequem wie zu Anfang und ich hatte die vage Ahnung, dass das nicht an Materialschrumpfung lag... Also wollte ich wieder disziplinierter mit dem Sport sein, aber da machte mir erst mal eine fiese Erkältung einen Strich durch die Rechnung. Doch wenn ich mal ganz ehrlich mit mir selber bin, war ich faul, hab mich auf meinem Kissen aus Zufriedenheit ausgeruht und lieber gestrickt als geturnt. Und da ich gerne koche und backe, muss irgendwer das Ganze ja auch essen. Irgendwo musste also Motivation und ein Ziel her, auf das ich hinarbeiten kann.

Heute hatte ich einen Werkstatt-Termin für den Beetle, und ich sollte den Käfer schon um 7 Uhr abgeben - blieb also nur Zeit für einen Kaffee, kein normales Frühstück. Und als ich den Termin so in meinen Kalender eintrug, fiel mir auf, dass das ja mit Aschermittwoch zusammenfällt. OK, wenn ich also - wenn auch aus Zeitgründen - auf mein Frühstück verzichten muss, warum nicht mal Intervallfasten ausprobieren? Also hab ich mich gestern spontan ein bisschen eingelesen und beschlossen, während der Fastenzeit meinen Metabolismus wieder etwas in Schwung zu bringen. Aufgrund der zeitlich begrenzten Hungerphasen soll sich kein Jojo-Effekt einstellen, weil sie eben nur kurzfristig sind und der Stoffwechsel nicht in Panik-Modus verfällt. Den Wetterhamster hab ich gestern mit meinem Vorhaben konfrontiert, und er will mitmachen. Find ich gut, zu zweit ist sowas ja immer einfacher als allein. 

Und so hab ich heute morgen ganz tapfer mich a) meinen Dämonen und b) auf die Wage gestellt mit dem Ergebnis: In den letzten 14 Monaten haben sich tatsächlich 4 kg auf mir breitgemacht, die da vorher nicht waren. Das möschte isch nicht! Und so harre ich jetzt ganz tapfer und hochmotiviert bis 12 Uhr mittags aus und dann gibt es ein Frühstück mit Müsli, Hafermilch und Obst, und nach der Arbeit koche ganz normal, sodass wir bis 20 Uhr gemütlich und ohne Hetze zu abend essen können. Das wollen wir dann mal bis Ostern durchziehen und schauen, ob wir damit klar kommen und ob es auch auf der Waage was bringt - idealerweise 5 Kilo, das wäre klasse. Mehr will ich ja gar nicht, schließlich war ich immer schon eher eine Zwölfe, denn eine Elfe :-))) Und aus einem Bernhardiner wird auch kein Windhund. Aber ein gesunder, beweglicher Bernhardiner - das will ich sein!

Ach, und wenn man sich den Kalender mal genauer anschaut, fällt auf, dass das mit den 40 Tagen bis Ostern nicht so ganz passt. Ich hab dann mal nachgeforscht, und Folgendes gefunden: Schon seit dem 5. Jahrhundert sind die Sonntage als sogenannte "kleine Auferstehungstage" vom Fasten ausgenommen. Damit man auf die 40 Tage kommt, zählt man von Aschermittwoch bis Karsamstag. Ich will es aber mal nicht übertreiben, und deshalb wird unsere persönliche Fastenzeit von Aschermittwoch bis Gründonnerstag gehen (an Karfreitag gibt es Mehlknödel als traditionelle Fastenspeise in unserer Familie - mehr dazu in einem separaten Post), und die Wochenenden werden ausgenommen.

Jetzt ist Mittagspause, ich freu mich auf meinen Brunch, und bis auf ein leichtes Hüngerchen ging es heute eigentlich. Ich war allerdings auch gut abgelenkt, denn als ich heute morgen losfahren wollte zur Werkstatt, sprang der Wagen nicht an - wie passend. Also musste ich ihn abschleppen lassen. Und auf der Arbeit war dann auch immer was zu tun, also keine Zeit, mich selbst zu bedauern. Ach, und beim Beetle hat einfach nur die Batterie schlapp gemacht, ich habe ihn zu selten benutzt :-)

Soweit die heiligen Worte - ich halte Euch auf dem Laufenden!




Montag, 25. November 2024

Is denn scho wieder Weihnachten?

Huhu, Ihr Lieben,

ja, in vier Wochen ist es schon wieder soweit - Weihnachten steht wie immer ganz plötzlich vor der Tür und will rein. Und da ich letzte Woche Urlaub hatte, hab ich schon mal dekoratiert (gut 20 Jahre alter O-Ton eines entzückenden kleinen Mädchens, das mittlerweile nicht mehr ganz so klein ist). Natürlich geh ich nicht einfach ins nächste Depot oder zu IKEA - das wäre erstens langweilig und zweitens unmöglich, denn beide gibt es hier nicht. Man kann wohl bei einem Groß-Importeur Schwedenkram bestellen, aber ich hab mal die Preise verglichen, lohnt sich nicht.

Was ich gekauft hab dieses Jahr war eine bunte Lichterkette für den Balkon, weil die alte letztes Jahr den Geist aufgegeben hatte, und einen künstlichen Tannenbaum, weil das Bäumchen der letzten beiden Jahre zur Wohnung gehörte. Beides hab ich auf Facebook Marketplace äußerst günstig geschossen und bin sehr zufrieden. Klar, der Tannenbaum könnte dichter sein und so ein schickes Spitzguss-Exemplar, aber die findet man hier so gut wie nicht, und ich hab ihn dicht genug behängt, dass es nicht so auffällt. Und was die Lichterkette angeht: Wenn demnächst Ryanair auf der Triq Il-Marfa landet, sind wir schuld :-D

Also hab ich die letzte Woche mit basteln und schmücken verbracht, gibt schlimmeres, oder? Gestartet hab ich mit einem etwas verunglückten Tannenbäumchen. Ursprünglich hatte ich gedacht, alte Mullbinden zu Rüschen zu verarbeiten und die dann um einen Karton-Kegel zu wickeln. Sah leider Scheiße aus, also wieder abgerupft. Dann habe ich Schleifenband in etwa 10 cm lange Streifen geschnitten und die so zusammengefaltet wie diese AIDS- oder Brustkrebs-Schlaufen und die in Runden auf besagten Kegel zu kleben. Viel besser! Noch einen Standfuß aus einer leeren Eisentabletten-Flasche drunter geklebt und einen Stern auf die Spitze - fertig!


Die Mullbinden, die ich für den Baum erst verwendet hatte, hatten solche Polsterungen eingeklebt, damit die zu verbindende Wunde auch gut geschützt ist. Diese Polster habe ich abgerupft und die oberste Lage abgelöst, weil das so ein glänzendes Material war, damit es sich nicht untrennbar mit der offenen Wunde verbindet. Daraus habe ich dann Herzen ausgeschnitten und sie mit Wolle teils bestickt und zusammengenäht = Anhänger Nummer eins.

Anhänger Nummer zwei, drei und vier waren jeweils aus Müsli-Kartonagen ausgeschnitten und entweder bestickt oder zusammengehäkelt.

Anhänger Nummer fünf habe ich ebenfalls aus Müsli-Kartons gebastelt, allerdings hab ich jeweils Kreise ausgeschnitten, in der Mitte gefaltet und dann zu einer Kugel zusammengeklebt. Unten dran hing jeweils noch ein Herz oder Glöckchen vom Lindt-Goldhasen dran.

Und zu guter letzt habe ich für Anhänger Nummer sechs Gardinen-Ringe mit Kordel umknotet und mit einer kleinen roten Schleife versehen, sodass die Dinger aussehen wie kleine Kränze. Und alle zusammen hab ich an die Gardinen-Stange direkt an der Spüle gehängt, damit man bei dem bisschen Haushalt auch einen schönen Ausblick hat. (Das Fenster führt nämlich nur in einen Lichtschacht, also quasi kein Ausblick auf nix.)

Und so sieht der Ausblick jetzt aus:


Danach musste ein Gedichtband von Hans Magnus Enzensberger dran glauben - er wurde kurzerhand in zwei Plissee-Objekte verwandelt. Die Anhänger ein Gedicht, sozusagen!


Heinrich soll selbstverständlich auch in Festtagsstimmung kommen, deshalb hat sein Futterplatz ein Deko-Upgrade erhalten:


Weil ich ja in der jetzigen Wohnung so eine rustikale Eiche-Wohnwand mit zwei Vitrinen zu bestücken habe, wollte ich noch was Helles, das sich gut abhebt. Und so habe ich nochmal ne Runde Kegel aus Pappe gebastelt und sie mit diesen runden Abschmink-Wattepads beklebt. Und schließlich hab ich noch schnell einen Adventskranz improvisiert aus Kerzen, Korken und ein paar roten Minikugeln - dieses Jahr war mir irgendwie nicht nach dem schwarzen Drahtkorb, den ich sonst immer verwende.

Und so sieht das ganze Ensemble zusammen aus - ich finde, aus der 70er Jahre Kellerbar ist jetzt eher eine Almhütte geworden; darauf einen Jagertee! ...und ja, das Weinregal muss dringend befüllt werden...


Übrigens hat dieser Blog vor ein paar Tagen seinen fünften Geburtstag (oder präziser die Vollendung des fünften Lebensjahrs) gefeiert - Happy Birthday to Blog! Und jetzt werf ich einfach noch ein paar Deko-Fotos in die Runde zur allgemeinen Erbauung und Unterhaltung... Und noch ne Anmerkung: Das Sofa hat mittlerweile noch einen gutsitzenden roten Bezug (ich musste den fertig gekauften leider auseinandernehmen und anpassen, da saß einfach nix), und in das Bonbon-Glas kommt noch was anderes als die grünen Eukalyptus-Klümpchen :-)











In diesem Sinne - macht's Euch gemütlich und genießt die Vorweihnachtszeit!

Montag, 4. November 2024

Smashing Pumpkins

Hallo Ihr Lieben,

es ist Herbst, demzufolge Kürbiszeit! Letzte Woche hatte mein Arbeitgeber uns Angestellte auf eine Runde Pumpkin Spice Latte eingeladen. Also haben die Jungs vom Coffee Shop gegenüber kurzerhand ihr Equipment einmal über die Straße und zu uns ins Büro gekarrt. Damit das Ambiente stimmt, kam vorher sogar noch ein Bauer vorbei und hat etwa 20 Kürbisse in unserer Küche abgeladen, mit denen dann der zweite Stock, wo es den Kaffee gab, herbstlich dekoriert wurde. 

Die Kürbisse waren essbar, und so durfte ich am Freitag nach der Kaffeesause einen von den runden Wundern mit nach Hause schleppen - von drauß' vom Walde komm ich her und kann euch sagen, so ein Kürbis wiegt schwer! 

Also hab ich den Samstag nach dem Wocheneinkauf damit verbracht, das Kürbismonster zu verarbeiten. Ihn einmal durchzuschneiden ging einfacher, als ich gedacht hatte - der gemeine Hokkaido erweist sich normalerweise als wesentlich störrischer als dieser maltesische Kürbis. Die Kerne hab ich von den Fruchtfleisch-Fasern befreit, gut gewaschen und auf einem Backblech mit Zewa zum Trocknen auf den Balkon gestellt. Am Sonntag waren die Kerne gut durchgetrocknet und ich hab sie kurz in Salzwasser gebadet und wieder zurück auf's Backblech. Eigentlich hieß es, man könne die 20 Minuten lang rösten, sollte sie aber zwischendurch mal wenden. Nach etwa 10 Minuten hatten die Kürbiskerne in meinem Gasofen eine Identitätskrise und dachten, sie seien Popcorn. Nachdem die Viecher also durch den Ofen hüpften, habe ich das Experiment abgebrochen. Doch oh Wunder, sie waren erstaunlich gut, und wir haben sie - nachdem sie ein bisschen abgekühlt waren - komplett weggefuttert.

Etwa ein Drittel des Kürbis habe ich ganz gelassen - ein Stück gibt es morgen abend und das andere Stück habe ich Samstagabend in schmale Streifen geschnitten und mit Bacon und Feta im Backofen gegart. Dazu gab es gegrilltes maltesisches Brot mit selbstgemachter Knoblauchbutter - sehr lecker!

Die anderen zwei Drittel habe ich von der Schale befreit, denn anders als beim Hokkaido kann man bei dem heimischen Kürbis die Schale nicht mitessen. Das Kürbisfleisch habe ich dann grob gewürfelt und in ein bisschen Wasser in meinen zwei größten Töpfen weich gekocht. Das ging relativ schnell, ich schätze mal so 20 Minuten. Das Wasser hab ich abgegossen und den Kürbis mit dem Stabmixer püriert. Dieses Kürbispüree (gute dreieinhalb Kilo!) habe ich portionsweise eingefroren und kann das dann mit und mit verarbeiten.

Ein Teil des Pürees musste gleich gestern dran glauben - erst waren ganz einfache Muffins an der Reihe und Brownies. Letztere hatten außer dem dunklen Teig noch ein Topping aus Frischkäse mit Kürbispüree, haben uns zwar nicht so richtig überzeugt, aber die Muffins waren super.



Da wir gestern eingeladen waren, hab ich noch kleine Kürbiskäsekuchen (in der Muffinform) ausprobiert. Die bekamen erst einen Boden aus geschredderten Löffelbiskuit mit geschmolzener Butter und einem Hauch Zimt. Darauf kam dann die Cheesecake-Masse aus Frischkäse, Kürbispüree, braunem Zucker und den üblichen Verdächtigen Zimt, Nelken, Muskat und Lebkuchengewürz, sowie einem Ei, und weil ich ganz sicher gehen wollte, etwas mit Wasser angerührter Speisestärke. Nach gut 15 Minuten waren die Schätzchen fertig - ich hab sie, wie jeden Käsekuchen, im Ofen auskühlen lassen und danach im Kühlschrank geparkt. Was soll ich sagen? Sie waren sensationell! Übrigens habe ich das erste Mal lactosefreien Frischkäse verwendet (aus Gründen), überhaupt kein Unterschied zu "normalem" Frischkäse - gut zu wissen...

Und es gab gestern auch noch was Herzhaftes - da wir durch die Einladung nicht so ewig viel Zeit hatten, habe ich mich gegen Kürbisgnocchi entschieden, denn das war zu langwierig mit Kartoffeln vorkochen und so. Stattdessen wurde ich zum Instagram-Opfer und habe mich an schnellen Nudeln versucht. Im Wesentlichen mixt man einen Teig aus Mehl, Salz und Kürbispüree und schneidet mit der Schere davon kleine Häppchen ab, die man direkt ins kochende Wasser fallen lässt. Wenn der Teig flüssiger gewesen wäre, hätte ich ihn wie Spätzle in den Topf schaben können. 

Weil die kleinen Biester ratzfatz gar sind (wenn sie im Topf oben schwimmen, das war in wenigen Minuten der Fall), habe ich keine aufwändige Sauce gemacht, sondern einfach nur Salbei und Knoblauch in Butter angeschwitzt und die Pasta darin geschwenkt. 


War richtig gut und wird definitiv nochmal gemacht! An der Schnitttechnik arbeite ich übrigens noch :-)

Was hab ich noch auf der Kürbis-to-do-Liste? Eine klassische, amerikanische Pumpkin Pie, definitiv Kürbis-Suppe, eine Hähnchen-Kürbis-Pfanne und ein Curry, denn das geht immer.

In diesem Sinne - genießt den Herbst und ganz viel Kürbis!


Montag, 2. September 2024

Cool bleiben

Hallo Ihr Lieben,


Heinrich hat bei seinem täglichen Blick aufs Meer festgestellt: Hier war lange nix mehr los - das müssen wir ändern!

Wir leben jetzt seit vier Monaten in unserer neuen Wohnung, und die Nähe zum Meer begeistert uns immer wieder aufs Neue. Mittlerweile haben wir einen Garagenschlüssel (wenn auch keine Garage), und daher können wir eine Abkürzung nutzen. Das heißt, unser Weg ans Wasser beträgt jetzt schlappe 100 Meter! Deshalb heißt es für uns jeden Tag nach der Arbeit "Pack die Badehose ein", und dann dümpeln wir ne halbe Stunde im badewannenwarmen Mittelmeer. Könnte schlimmer kommen, oder?

Wir hatten nämlich die letzten Wochen eine ordentliche Hitzewelle. Ja, ich hör euch schon sagen: Genau das wolltet ihr ja so, sonst wärt ihr nicht hierher gezogen. Stimmt auffallend. Aber die Kombination aus Hitzewelle und Hitzewallung (ja, ich bin jetzt in dem Alter) ist blöd. Klar haben wir Klimaanlagen im Apartment, aber die wollen wir natürlich nicht die ganze Zeit laufen lassen. Also war ich dankbar für die natürliche Abkühlung.

Und was gibt es sonst noch, was die Hitze angenehm erträglich macht? Richtig: Eis! Das allerdings in seinem bevorzugten Aggregatzustand vom Laden in den heimischen Gefrierschrank zu bugsieren stellt bei 38 Grad Celsius durchaus eine Herausforderung dar, deshalb musste ich entweder eine Kühlbox kaufen oder mir was einfallen lassen.

Just in dem Moment fiel mir ein Werbegeschenk meines freundlichen Arbeitgebers in die Hände - nämlich eine Sonnenblende fürs Auto. Und da hab ich mir gedacht: Challenge accepted, das Ding sollte sich doch in eine Kühltasche umfunktionieren lassen. 

In einem ersten Versuch habe ich eine bestehende Einkaufstasche (ein weiteres Werbegeschenk mit dem passenden Aufdruck "Stoffe statt Blumen") verwertet, weil deren Schnitt nicht allzu kompliziert war und das Außenmaterial einigermaßen stabil. Und so habe ich kurzerhand für diese Tasche ein Innenteil aus dem Sonnenblenden-Material genäht. Ich wollte nämlich wissen, ob und wie sich das verarbeiten lässt. Ich hab dann noch einen Klettverschluss befestigt, und insgesamt hat das ganz gut geklappt.


Da ich aber noch einiges an Sonnenblende übrig hatte und die Tasche nicht so furchtbar groß ist, wollte ich mich an einem Kühl-Rucksack versuchen. Außenstoff musste ich dafür kaufen, denn meine Restekiste ist fast leer. Aber zumindest hatte ich noch Gurtband und eine Schließe. Also habe ich letzten Samstag einen ganz netten Vorhangstoff erlegt. Hätte noch ein bisschen fester sein können, aber ich dachte mir, in Kombination mit dem silbernen Material würde das schon gehen. 

Angefangen habe ich mit dem Zuschnitt der Sonnenblenden - mit einer normalen Allzweckschere geht das supereinfach. 


Meine gute alte W6 hat sich tapfer durch das Zeug gearbeitet, und auch das ging relativ gut. Ich habe sicherheitshalber die Stichlänge auf die höchste Stufe gestellt, das Material brauchte ein bisschen Unterstützung beim Führen, und es war zugegeben ein bisschen störrisch, aber alles in allem war ich angenehm überrascht.


Das sollte jetzt kein aufwändiger Picknickrucksack mit allem Schnickschnack werden, deshalb habe ich das Design frei Schnauze und relativ einfach gemacht. Also erst mal den Innenkorpus erstellt:


Und dann den Außenstoff angepasst:

Ich hatte mir überlegt, so ein geklappter Verschluss wäre wohl das einfachste - den könnte man zur Not auch offen lassen, wenn ich mich beim Pistazieneiskauf mal wieder nicht beherrschen kann :-) Den Stoff habe ich dort, wo ich die Verschlüsse und die Rucksackträger befestigt habe, mit SnapPap-Resten verstärkt:



Ich hatte noch kurz darüber nachgedacht, ob ich eine Hybrid-Tragelösung anbringen soll, also fliegender Wechsel zwischen Rucksack und Einkaufstasche, aber das ließ die Länge meines Gurtbands nicht zu, und so hab ich einfach einen Tragehenkel drangenäht, das sollte reichen. 


Anschließend hab ich nur noch den Stoff um den oberen Rand der Silberfolie umgeschlagen und festgenäht, somit waren Innen- und Außenteil schonmal miteinander verbunden. Dann hab ich die Verschlussbänder und die Träger auch noch an der Silberfolie befestigt, damit sie doppelt gesichert sind.


Und so sieht das gute Stück aus - mal von hinten...

...mal von vorn... (und nein, wir steigen damit nicht aufs Matterhorn!)


Ich denke, ich werde die beiden Schichten an ein paar Stellen noch von Hand miteinander verbinden - vielleicht das Muster ein bisschen nachsticken oder so, und das sollte es dann gewesen sein. Für 27 Kilo Eisbein dürfte der Kühl-Rucksack nicht stabil genug sein, aber für zwei, drei Familienpackungen Eiscreme reicht er locker. Und Eiscreme würde ich Eisbein sowieso jederzeit vorziehen :-)

Passend dazu schenk ich euch noch einen Ohrwurm:
Like ice in the sunshine, like ice in the sunshine
I'm melting away on this summer day...

In diesem Sinne gehabt euch wohl und lasst es euch gutgehen!


Freitag, 17. Mai 2024

Alles neu macht der Mai!

Hallo Ihr Lieben,

ich mag den Mai - es ist Frühling, die Natur ist quasi wieder auf Anfang, viele liebe Menschen haben im Mai Geburtstag, der sächsische Wetterhamster und ich feiern unseren Jahres- und Hochzeitstag, und zumindest in Deutschland gibt es zwei sehr praktisch gelegene Feiertage jeweils donnerstags.


Und dieses Jahr kam noch was dazu: Wir sind umgezogen! Wir hatten ja einen Mietvertrag, der auf zwei Jahre befristet war, und wenn man den eine bestimmte Zeit abgewohnt hat, kann man früher raus. Das haben wir Anfang des Jahres gelernt, und haben gleich mal Augen und Ohren offen gehalten, ob sich eine schöne neue Bleibe findet.

Wir haben dann aber gleich noch was gelernt, und zwar, dass diese Kündigungsfristen von drei Monaten oder mehr, die man von Deutschland her kennt, hier keinerlei Relevanz haben. Klar, eigentlich müsste man dem Vermieter auch hier zwei Monate vor Auszug Bescheid geben, aber wie so oft ist das eine Handlungsempfehlung :-) Sobald man dem Vermieter sagt, dass man ausziehen will, kann man im Prinzip schon mal mit Packen anfangen. Das war uns zunächst nicht so bewusst, und als ich dann auf die ersten Wohnungsanzeigen geantwortet habe und meinte, wir könnten erst in zwei Monaten einziehen wegen der Kündigungsfrist, hieß es dann jedes Mal: Dann kommen Sie später wieder auf uns zu, die Wohnung hier ist morgen vermietet und übermorgen ziehen die neuen Bewohner ein. 

Oookay, daraufhin haben wir mit unseren Vermietern vereinbart, dass wir Ende April ausziehen, und ich hab mir an Ostern einen Haufen Wohnungen angesehen. Wir hatten zwischenzeitlich mal überlegt, auf die Schwesterinsel Gozo zu ziehen, denn da ist es noch ein bisschen ruhiger und ursprünglicher. Aber das hätte unsere Arbeitswege so verlängert, dass sich das echt nur lohnt, wenn man komplett remote arbeiten kann. Also habe ich die Suche auf unseren jetzigen Wohnort beschränkt, denn der gefällt uns wirklich gut. 

Und es ist wie überall: Es gibt schöne und weniger schöne Wohnungen, mal passt die Lage, aber die Größe nicht, mal ist die Einrichtung sehr schön, aber der Preis komplett überzogen, mal sind Lage und Einrichtung toll, aber dann gibt es keinen Aufzug in den vierten Stock - irgendwas ist immer. Aber wenn man bereit ist, den einen oder anderen Kompromiss einzugehen, kann man schon tolle Sachen finden. Und so war es auch! 

Nachdem ich mich durch einen Haufen Anzeigen bei Facebook Marketplace gewühlt hatte und gute zehn Wohnungen angeschaut hatte, haben wir einer Wohnung so gut wie zugesagt. Schöner Blick über das Städtchen, neue Küche, moderne Einrichtung, Platz fürs E-Bike, und Heinrich war willkommen. Zwar nur zwei (Schlaf-)Zimmer, aber wir würden halt in jedes einen Schreibtisch reinquetschen, und dann würde das schon gehen. 

Dann rief mich eine Maklerin an, die mir zuvor schon zwei Wohnungen gezeigt hatte, die allerdings nicht in Frage kamen, und signalisierte mir, sie hätte was, das mir gefallen könnte. Ich hab dann nicht lange gefackelt, Ostermontagmorgen (der hier kein Feiertag ist) um 8:30 hatte ich den Besichtigungstermin. Es stellte sich dann heraus, dass die Maklerin eine Nichte unserer damaligen Vermieter ist (El Mundo es un Pañuelo...), und darüber hinaus stolze Hundemama eines French Bulldogs :-) Wenn das kein gutes Vorzeichen ist... Und was soll ich sagen? Ich kam in die Wohnung rein wusste instinktiv, die hat Potenzial. 

Genauso groß wie die vorherige Wohnung, also 3 Schlafzimmer (ca. 140 m²), mehr oder weniger der gleiche Schnitt, sprich ein langer Flur (Apple Fitness freut sich), von dem die Zimmer abgehen, und der dann am Ende in den offenen Wohnzimmer- und Küchenbereich mündet. Sie liegt im dritten Stock eines Apartmentkomplexes, der ein bisschen wirkt wie ein ehemaliges Hotel, hat einen Aufzug (mit einem funktionierenden Notdienst :-D ), einen schönen Balkon mit einer tollen Aussicht (He fählt nur vum Balkon die Aussich op d'r Dom. - naja, Aussicht auf die Kirche haben wir tatsächlich, da kann man nicht meckern).


Außerdem gibt es einen mediterran gefliesten Fußboden, der im Gegensatz zum vorherigen hochglänzenden Fliesenboden sehr dankbar ist. Will sagen: Man sieht nicht sofort jeden Wasserfleck, wenn Heinrich sich mal wieder ein Schlückchen Kraneberger Nordhang genehmigt hat. Klimaanlage gibt es auch, eine nagelneue 8 Kilo fassende Waschmaschine (Alex meint, da passt ein ganzes Paralleluniversum rein, wie in meine Handtasche) - das gute Stück steht übrigens in einem Einbauschrank auf dem Balkon, das ist hier sehr üblich. Klar, es wird hier ja im Winter nie so kalt, dass die Leitungen zufrieren könnten. 

Die Küche hat zwar keine Spülmaschine, aber sonst alles, was man so braucht, vor allem Stauraum - das gefällt mir ja ziemlich gut, denn wir haben schon eine ganze Menge Kram. Und seit vorgestern haben wir auch einen nigelnagelneuen Herd mit Backofen, und - ein weiteres Novum für mich - beides mit Gas betrieben. Das ist hier auch sehr üblich, das sieht man an den zahlreichen froschgrünen Gasflaschen auf den Terrassen und Balkonen überall. Nach anfänglichem Zögern (explodiert hier nix???) muss ich allerdings sagen, dass ich verstehen kann, dass professionelle Köche auf Gas schwören. 

Die Möbel, vor allem die Küche und die Wohnzimmerschrankwand in Eiche rustikal erinnern mich ein bisschen an eine 70er Jahre Kellerbar - ein bisschen Alkohol, und ich fange an, Discofox zu tanzen :-D OK, das fällt unter die vorhin erwähnten Kompromisse, die man so machen muss. Aber wenn ich ehrlich bin: Wenn man die Küchenschränke und die Wohnzimmerwand mit einer hellen Kreidefarbe anstreichen würde, sähe das richtig gut aus, so Vintage/shabby chic-mäßig. Hier mal ein Bild aus dem Umzugschaos, damit Ihr Euch ein Bild machen könnt...


Was aber absolut für die Wohnung spricht, ist die Lage. Wenn wir aus der Haustüre gehen, sind wir in drei Minuten lockerem Spaziergang direkt am Meer! Das war nämlich in der letzten Wohnung so eine Sache: Wir hatten einen sagenhaften Ausblick auf die Bucht, aber um die Füße ins Wasser tauchen zu können, mussten wir entweder das Auto oder den Bus bemühen. Das ist in etwa so, als würdest du einem Kind einen Lolli vor die Nase halten, aber nicht dran lecken lassen. 

Und jetzt verbringen die beiden Herren (zweibeinig und vierbeinig) täglich ihre Mittagspause am Meer. Das gibt so unglaublich viel Lebensqualität, dass wir uns jetzt durchaus vorstellen können, uns hier dauerhaft niederzulassen. Is aber auch schön hier!



Der Arbeitsweg ist mehr oder weniger gleich geblieben - der Bus braucht exakt 2 Minuten länger, aber dafür ist die Bushaltestelle viel näher als vorher. Und die Aussicht von da ist auch sehr nett:



Tja, und zwischenzeitlich sind wir auch umgemeldet - das muss man hier wie in Deutschland erledigen, wenn man umgezogen ist. Allerdings wird hier nicht einfach ein Aufkleber auf den Personalausweis gepappt, sondern es wird gleich eine neue ID Card erstellt. Als EU Bürger ist das aber kein Problem, das einzige, was problematisch war, war einen Parkplatz in der Nähe zu kriegen! Und weil ich ja auch einen kleinen Bildungsauftrag habe, hier noch ein bisschen was zu den maltesischen Adressen: Die Postleitzahl besteht auf Malta aus zwei Komponenten, und zwar drei Buchstaben, die das Stadtgebiet repräsentieren und dann noch vier Zahlen. Das ist schon ziemlich präzise; das Hotel zwei Häuser weiter hat z. B. schon einen anderen Postcode als unser Gebäude. Was dagegen nicht ganz so präzise gehandhabt wird, ist die Hausnummer. Hier haben viele Gebäude einen Namen - unseres heißt beispielsweise Halcyon, und das reicht, eine Hausnummer gibt es nicht. Man braucht auch nicht zwingend einen Namen auf dem Klingelschild oder am Briefkasten. Da genügt es völlig,  wenn die Wohnungsnummer draufsteht, dann weiß der Postmann, wo er klingeln muss.

Übrigens hatten wir den Aufwand für unseren Umzug völlig unterschätzt :-D Wir dachten ja, das würde ein Spaziergang, schließlich wollten wir ja ohne Möbel umziehen und hatten vor dem Umzug nach Malta ordentlich ausgemistet. Aber auf wundersame Weise ist unser Hausstand schon wieder explodiert, und mein kleiner blauer Käfer hat tapfer Kiste um Kiste in die neue Wohnung transportiert. Jetzt fühlen wir uns sauwohl, aber für die nächsten Jahre (mindestens zwei) möchten wir erst mal nicht mehr umziehen!


In diesem Sinne - lasst es Euch gutgehen und genießt den Mai!