Donnerstag, 13. April 2023

Il-Lingwa Maltija

Hallo Ihr Lieben,

falls Euch der Titel Spanisch vorkommt - falsch! Das heißt "Die maltesische Sprache" auf Maltesisch, und ich dachte mir, ich könnte doch mal ein bisschen darüber berichten. Ich bin natürlich weit davon entfernt, hier als Expertin aufzutreten, aber ein paar interessante Aspekte kann ich schon berichten. Wird ein wenig theoretisch, aber etwas Bildung muss auch sein!


Er nimmt Leckerchen in jeder Sprache!

Es fing übrigens damit an, dass ich auf Facebook über die Anzeige der Volkshochschule Winnenden gestolpert bin, die einen Maltesisch-Sprachkurs für Deutsche angeboten hat, und zwar online und live aus Malta (gibt übrigens keine Zeitverschiebung). Da ich immer schon ein großer Fan von VHS-Kursen war, hab ich mich gleich angemeldet, und zu meiner großen Freude kam der Kurs tatsächlich zustande. Und so sitze ich jeden Montagabend vor meinem Rechner, während der Maltesische Sprachlehrer insgesamt neun Deutschen die maltesische Sprache (auf Englisch 😆) näher bringt. Luftlinie sitzen er und ich übrigens nur ein paar Kilometer auseinander; er auf Gozo, ich in Mellieha, und organisiert wird das Ganze über Deutschland, wo die restlichen Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen sitzen. COVID war also doch für irgendwas gut. Natürlich geht es nicht darum, anspruchsvolle Diskussionen führen zu können, aber aus Respekt dem Land und den Leuten gegenüber wollte ich zumindest eine grobe Ahnung der einen offiziellen Landessprache haben. 

Ein bisschen was zum Hintergrund hatte ich wohl schon erwähnt, aber der Vollständigkeit halber hier nochmal ein paar Fakten: Maltesisch ist die einzige semitische Sprache, die sich der lateinischen Schrift bedient. Außerdem ist es die einzige semitische Sprache, die in der EU als offizielle Landessprache verwendet wird. Darüber hinaus ist Maltesisch aufgrund der Historie und seiner geografischen Lage von zahlreichen Sprachen beeinflusst - am stärksten von Italienisch, Arabisch und Englisch. 

Das "L'Alfabett Malti" besteht nicht wie das Deutsche Alphabet aus 26 Buchstaben, sondern hat insgesamt 30 Buchstaben, davon 6 Vokale und 24 Konsonanten. 

Bei den Vokalen gibt es außer den uns bekannten noch das ie (zwei Buchstaben, gilt aber als ein Vokal) - somit haben wir 

a, e, i, ie, o und u.

Das ie  klingt so ähnlich wie im englischen "fear" oder "fierce", also zuerst kommt das i und ganz am Ende hört man noch ein bisschen vom e. 

Bei den Konsonanten haben wir die folgenden:

b, ċ, d, f, ġ, g, għ, h, ħ, j, k, l, m, n, p, q, r, s, t, v, w, x, ż, z

Auch hier gilt das għ als ein Konsonant, obwohl es aus zwei Buchstaben besteht. Es ist fieserweise ein bisschen tricky, denn man spricht es nicht, es verlängert aber den Vokal, der nachfolgt.

Und wie spricht man das jetzt aus? Interessanterweise spricht man die meisten Buchstaben so wie im Deutschen - das j zum Beispiel klingt wie im deutschen Jahr, nicht wie im englischen "jelly", das e wie in essen, nicht wie in "fever". Es ist übrigens gar nicht so einfach, sich da nicht hinreißen zu lassen... 

Das ċ hört sich an wie das tsch in Quatsch, wohingegen das ġ klingt wie das dsch in Dschungel. Das g spricht man wie im Deutschen, allerdings nicht wie im Rheinischen - ich sag nur "Fluchzeuschträjer" (also Flugzeugträger für die Nicht-Rheinländer). Das ħ wird betont, so als würden wir "Vierhundert" sagen. Das normalgeschriebene h hingegen ist stumm. Das q ist ein bisschen schwierig zu beschreiben, es hat eigentlich keinen eigenen Klang, verursacht aber einen Glottisschlag (oder auch Stimmritzenverschluss) beim Sprechen. Was'n'das? Ein gutes Beispiel hierfür ist das Wort "Spiegelei" - der Glottisschlag ist das, was zwischen Spiegel und Ei passiert, und genau das würde im Maltesischen mit dem q angedeutet. Der Unterschied zwischen ż und z ist, dass sich ersteres eher wie ein weiches s wie in "Sonne" und letzteres sich wie unser deutsches z, also etwas härter anhört. Und lasst Euch kein x für ein u vormachen, das maltesische x (gerne auch doppelt) wird wie sch ausgesprochen (das kennen und können die Rheinländer wiederum 😆). 

Der aufmerksame Leser/die aufmerksame Leserin wird bemerkt haben, dass es im Maltesischen kein y gibt (wird aber auch nicht vermisst), und noch etwas anderes sucht man vergeblich: Mit Ausnahme des Vokals ie, der ja als eine Einheit gilt, gibt es nie mehrere Vokale hintereinander. Man spricht sie zwar manchmal, aber schreibt sie nicht (warum auch immer). Ein Beispiel: "Il-lejla t-tajba" - das heißt guten Abend und gesprochen wird es il-lejla it-tajba. Weil aber der Abend im Maltesischen weiblich ist und somit auf a endet, muss man beim schreiben das i bei it weglassen, denn es dürfen keine zwei Vokale aufeinander folgen. Klingt komisch, ist aber so. 

Übrigens habe ich auch ein spanisches Wort gefunden, dass sich in den Maltesischen Wortschatz geschmuggelt hat: "pero", was "aber" bedeutet. Der eine oder andere Pirat hat Malta in der Vergangenheit besucht, da kann so was schon mal vorkommen. Beim Zählen gibt es hingegen eine Ähnlichkeit mit dem Deutschen, denn bei zweistelligen Zahlen nennen wir im Deutschen im Gegensatz zu den Angelsachsen ja meist die Zehner zuerst und dann die Einer, z. B. zweiundfünfzig statt fifty-two. Die Malteser machen das ähnlich; zweiundfünfzig heißt hier "tnejn u hamsin", wobei "tnejn" zwei und "hamsin" fünfzig bedeutet. Zu dreistelligen Zahlen kann ich noch nichts sagen 😆. Dass "u" "und" heißt, habt Ihr Euch sicher schon gedacht. Kennen wir aus dem Italienischen, da reicht es für "und" auch nur zu einem Vokal, nämlich "e", und im Spanischen heißt "und" nur "y". Das u befindet sich also in bester europäischer Gesellschaft. 

Letztens im Gespräch hat mir eine Maltesin gesagt, sie hätten in ihrer Sprache einfach viele Wörter aus anderen Sprachen übernommen, ihnen dann aber eine Maltesische Schreibweise verpasst. Ein paar kurze Beispiele:

"Bonġu" und "bonswa" - Ihr ahnt sicherlich, dass es hier um "guten Morgen" und "guten Abend" geht, und die französischen Wurzeln sind unverkennbar. Aber es geht auch ganz informell und unabhängig von der Tageszeit mit "ħelow" - genau, das heißt "hallo" und ist definitiv auf das englische "hello" zurückzuführen. Und wenn es dann ans Verabschieden geht, ist die einfachste Variante "ċaw". Was könnte das sein? Na klar - "ciao" aus dem Italienischen! "Grazzi" heißt übrigens danke und kommt unschwer auch aus dem Italienischen. "Prosit" kennt man auf Malta auch, das ist aber ein "false friend", denn es wird nicht zum Anstoßen gebraucht, sondern heißt sowas wie "gut gemacht". Will man dagegen jemandem zuprosten, sagt man "evviva". Der "furnar" ist der Bäcker; wer mal in der Pizzeria was "al forno" bestellt hat, weiß, dass das aus dem Ofen kommt - insofern ergibt der "furnar" als derjenige, der den Ofen bedient, schon Sinn. 

Hier noch ein paar Vokabeln zum Schmunzeln:

ċips: 
Fiese, frittierte Kartoffelstäbchen

ċikkulata: 
Gibt es meist in dunkelbraunen Tafeln

kejk: 
Gibt's Sonntagnachmittags zum Kaffee

wejter:     
Im Restaurant serviert der den kejk oder die ċips 

xawer:     
Erfrischend und zur Reinigung

ġelat:     
Gefrorenes in Bällchen im Hörnchen

ġakketta, gwardarobba:     
Ersteres zieht man an oder hängt es in Letzteres, wenn man es nicht braucht

garaxx, karozza:     
Wenn ich das erste habe, muss das zweite nicht im Regen stehen

kċina, kaboċċa:     
In Nummer eins kann ich Nummer zwei zubereiten (Cabbage oder für die Rheinländer: Kappes)

larinġ:     
Nein, hat nichts mit Larynx zu tun, ich muss die HNO und Logopäden unter uns enttäuschen, es handelt sich um eine Südfrucht

ors:     
Wer weiß, dass Ursula "kleine Bärin" heißt, kann das hier ableiten

sejf:     
Da packt man seine wertvollen Schätze rein

trakk:     
Eine besonders große karozza, da reicht die normale garaxx nicht aus

zokkor:     
ċikkulata und auch kejk bestehen zu einem wesentlichen Teil daraus

Ach ja, und wie man das hier ausspricht, wisst Ihr bestimmt: "ħaxix"... Heißt übrigens Gemüse bzw. Gras...😆

Und zuletzt noch was Schweres: "Is-sliem għalikom". Es bedeutet "Friede sei mit Dir" - und jetzt ist auch klar, woher es kommt, nämlich aus dem arabischen "Salaam aleikum". Sagt man zwar ganz selten, fand ich aber sehr interessant!


Insofern: Is-sliem għalikom, Ihr Lieben!

Und wenn Ihr noch ein paar Anführungszeichen übrig habt, könnt Ihr sie gerne hier verteilen 😆