Sonntag, 13. August 2023

Ist das jetzt neu oder alt?

Huhu Ihr Lieben!

Wer mit mir auf LinkedIn verlinkt ist (haha), weiß es vielleicht schon: Ich bin vom Markt! Also, vom Heiratsmarkt schon länger, aber neuerdings auch vom Arbeitsmarkt. Und das kam so: Als ich meinem Chef ein gutes halbes Jahr vor unserem geplanten Umzug gesteckt habe, was wir so vorhaben, hat er erst mal schlucken müssen. Klar, never change a running system, und außerdem waren wir ein super Team. Mein Wunsch, von Malta aus remote zu arbeiten (hatte ich von Magdeburg schließlich auch schon gemacht), konnte mir aufgrund von gesetzlichen und steuerlichen Bestimmungen (Danke Deutschland!) leider nicht erfüllt werden. Und so machte mein Chef mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte (man denke sich jetzt die Filmmusik zu The Godfather...). Will sagen: Ich gehe in unbezahlte Freistellung und behalte dafür meinen Arbeitsplatz und kann - sollte es uns auf Malta nicht gefallen - nach einem Jahr einfach wieder einsteigen. Wenn man bedenkt, dass wir es ja nie lange an einem Fleck aushalten, war das durchaus eine Option.

Das hab ich also angenommen, aber wie das nun mal so ist im Leben, nur von Luft und Liebe lebt es sich nur semi-gut, und außerdem war mir nach einem halben Jahr mal wieder nach einer regelmäßigen Tätigkeit, wenn ich auch in den ersten sechs Monaten hier auf der Insel immer gut beschäftigt war (veganer Käse, Sauerteigbrot mit eigenem Ansatz, Yoga, Brotaufstriche, Eis, Hafermilch, Singen im Chor, Badematte aus T-Shirts undsoweiterundsofort). Also habe ich nach einem kurzen, aber intensiven Ausflug in die iGaming Industrie (fragt nicht!) kurzerhand den Country Managing Partner von EY Malta auf LinkedIn angeschrieben, der mir stante pede einen Vorstellungstermin besorgt hat. Tja, und so bin ich seit dem 3. Juli 2023 offizielle Angestellte von EY Malta!


OK, man könnte jetzt natürlich sagen: Wie langweilig! Erst arbeitet sie fast 25 Jahre lang für EY Deutschland, und dann fällt ihr nix anderes ein, als bei dem selben Verein wieder anzuheuern? Naja, ganz so isses ja nun nicht. Erst mal hab ich in Deutschland im Laufe der Zeit für vier verschiedene Chefs und diverse Teams gearbeitet, habe den Standort fünf Mal gewechselt, und auch meine Aufgaben haben sich während der Jahre ständig geändert. Nur eines nicht: Bis auf ein paar wenige Ausnahmen habe ich mich eigentlich immer wohl gefühlt. Und mal ganz ehrlich: Unser Umzug nach Malta war schon ein Sprung ins kalte Wasser, so dass es zur Abwechslung mal ganz nett war, sich in halbwegs bekannte Gewässer zu begeben... 


Klar hätte ich mich komplett neu erfinden können und mich als Esoterik-Typberaterin, Wedding Planner oder Handarbeitslehrerin selbstständig machen können. Aber wofür gibt es Hobbies? Und mal ganz ehrlich: So ein Corporate Life mit Krankenversicherung (ist hier auf Malta nicht selbstverständlich, dass der Arbeitgeber die übernimmt), bezahltem Urlaub und auch sonst einigen Goodies ist nicht zu verachten. Aber so hab ich es glaub ich ganz gut angetroffen. Wir haben von Mitte Juli bis Ende August verkürzte Arbeitszeiten, sogenannte Summer Hours, weil es trotz Klimaanlage einfach zu heiß ist; ich kann mit dem Bus ohne Umsteigen direkt bis vor die Bürotür fahren (und bisher hat mich der Bus auch immer mitgenommen - wir hatten das schon mal), es gibt täglich frisches Obst und frisch gepressten Orangensaft für die Mitarbeiter, und in der Mittagspause kann ich auf der Dachterrasse ein bisschen abschalten. Seitdem lese ich auch wieder Bücher, denn auf dem Weg zur Arbeit und über Mittag habe ich dafür wieder Zeit und Muße - ist das nicht klasse? Doch. Derzeit unterhalten mich übrigens Kurzgeschichten von Siegfried Lenz, die ich schon seit Ewigkeiten im Regal stehen hatte.

Ach ja, ich arbeite übrigens nicht mehr in der Assurance als Sekretärin (jedenfalls momentan nicht), sondern ich schmeiße zusammen mit einer Vollzeit- und einer Teilzeitkollegin den Empfang in unserer Niederlassung! Gibt übrigens auf Malta nur eine, die Insel ist halt nicht groß. Die Niederlassung übrigens auch nicht - EY Malta hat 250 Mitarbeiter, in allen Service Lines zusammen etwa 15 Partner und Direktoren und gut 5 SekretärInnen. Meine direkten Kolleginnen sind supernett, und wie in jeder Firma gibt es Leute, die gut und weniger gut miteinander können, es gibt Sachen, die man lieber nicht hinterfragen sollte, es gibt einen riesigen Schmelztiegel von allen möglichen Nationen, die hier arbeiten, und dann darf man natürlich die überschwänglich-emotionale Mentalität der Maltesen nicht vergessen - halt mediterran-südländisch mit einem Hang zum Drama :-) Da kann ich als etwas unterkühlte Deutsche natürlich nur bedingt mithalten, aber wo ich nun mal in Köln geboren bin, und so quasi auch römisches Blut durch meine Adern fließt, kann ich damit gut leben! Und manchmal reicht es auch einfach, sich nur zurückzulehnen und in Gedanken das Popcorn rauszuholen...

Auf unserem sagenhaften Sommerfest letzte Woche (exklusiv in einem privaten Club in einem Nobel-Resort direkt am Meer mit Gin-Bar, BBQ, Whisky-Bar, DJ mit Live-Saxophon-Begleitung und Feuerwerk zum Ende) wurden passenderweise Fächer verteilt - es war aber auch heiß! Die hab ich dann gleich zur Tischdeko umfunktioniert, als wir letzten Samstag unseren asiatischen Grillabend veranstaltet haben. 


Davon hab ich leider keine Fotos gemacht, aber es gab Saté-Spieße mit Erdnuss-Sauce, einen Gurkensalat mit Sesamöl und Reisessig und einen Nudelsalat aus Mie-Nudeln, Gemüse und Erdnüssen - sehr lecker, allerdings nur bedingt vegan, denn für die Spieße hab ich Hühnchen genommen. Getränkemäßig wollte ich eigentlich Tsingtao Bier und Pflaumenwein anbieten, aber beides ist auf ganz Malta nicht zu bekommen. Also hab es das gute maltesische Cisk-Bier und kühlen Weißwein als Alternative. Als Nachtisch gab es gegrillte Pfirsiche und Ananas-Spalten, die ich mit braunem Zucker und China-Gewürz karamellisiert hab, und dazu gab es ein Joghurt mit frischer Minze und Limone. Kam ganz gut an, und war richtig lecker!

In diesem Sinne lasst es euch gutgehen 
und wählt immer weise zwischen alt und neu!