Montag, 26. Februar 2024

Soul Food

Hallo Ihr Lieben,

long time no see, ich weiß, ich weiß. Aber Ihr wisst möglicherweise auch, dass mein Papa Ende des letzten Jahres seine letzte Reise angetreten hat, und da war mir nicht nach bloggen. 

Er fehlt natürlich immer noch, aber es ist okay, so wie es jetzt ist, und deshalb wird es Zeit für einen neuen Post mit Comfort Food/Soul Food - halt Essen, das Leib und Seele wärmt - dafür war Papa immer zu haben.

Wir haben ja immer schon wenig Fleisch gegessen, und seit wir hier auf Malta wohnen, haben wir das sukzessive noch weiter reduziert. Fisch steht ab und zu auf dem Speiseplan, aber bisher haben wir nicht das Gefühl, irgendwas zu vermissen. Und weil Gewürze hier auf Malta unglaublich günstig sind, kann man mit ein bisschen Kreativität die tollsten Sachen zaubern. 

Kürzlich hab ich bei Charlie, dem Gemüsemann, ein großes Stück Kürbis erlegt, und wollte statt der üblichen Suppe mal was anderes probieren. Also Kürbis gekocht, Kartoffeln gekocht, alles mit Mehl und Gewürzen gemixt und heraus kam eine Riesenportion Gnocchi:


Einige haben wir direkt gegessen mit Kräuterbutter bzw. Pesto, und den Rest habe ich portionsweise eingefroren. Es empfiehlt sich aber, sie dann in gefrorenem Zustand im kochenden Wasser zu versenken, denn aufgetaut verwandeln sie sich in einen einzelnen großen Blob, den ich dann nochmal mit Mehl verkneten und neu formen musste. Hat dem Geschmack aber in keinster Weise geschadet. Nach dem Kochen kann man sie auch noch anbraten, das fand ich auch super.

Kürbis eignet sich natürlich auch als Raviolifüllung, also haben der Hamster und ich an einem Sonntag gemeinsam die Kochschürzen umgehängt und Nudelteig gemacht. Hier also die Ravioli mit Kürbis - einmal roh und einmal mit Salbeibutter:



Die Ravioli lassen sich übrigens auch super einfrieren. Am besten Pergamentpapier zwischen die einzelnen Lagen packen und die Ravioli noch gefroren ins kochende Wasser werfen. So kleben sie nicht zusammen und gehen auch nicht kaputt. Außerdem brauchen sie ja eh nur ein paar Minuten, bis sie gar sind. 

Und dann wollten wir noch Bandnudeln machen. Haben wir auch getan - und in Ermangelung eines Nudel-Trocken-Ständers haben wir die Dingerchen einfach über den Rost vom Backofen gehängt. Ich muss aber gestehen: Das ist sauviel Arbeit, und die Nudeln hängen sich aus und brechen sehr leicht. Lohnt sich also eher nicht. Dann lieber frisch machen und direkt ins Wasser damit, der Teig ist ja ratzfatz gemacht.


Der Nudelteig ist übrigens supereinfach. In Deutschland haben wir dafür Spätzlesmehl oder doppelgriffiges Mehl genommen, aber das gibt es hier in der Form nicht. Aber die Kombination aus ganz normalem Weizenmehl und Hartweizengriess (heißt hier Semolina) funktioniert ganz hervorragend. Dazu noch ein bisschen Salz, Olivenöl und Wasser, und fertig sind die DIY-Nudeln!

Und wo wir schon bei Nudeln sind: Meine Standard-Lasagne hat eine Füllung aus Spinat, Tomaten und Frischkäse, aber auch hier hab ich neulich ein bisschen herumexperimentiert. Die erste Variante war relativ unspektakulär, indem ich eine ganz simple Linsen-Bolognese zwischen die Nudelplatten gepackt hab. Obendrauf gab es dann für die vegetarische Variante ganz normalen Reibekäse und für die vegane Version selbstgemachten Haferkäse obendrauf. Falls sich jemand fragt, was das denn ist - im Grunde genommen Hafermilch mit Gewürzen (und Hefeflocken, wenn es denn welche zu kaufen gibt), und das Ganze wird dann mit Stärke aufgekocht. Anschließend hat man dann einen etwas festeren Schmierkäse, der sich auch schneiden lässt. Er schmilzt nur minimal, aber schmecken tut er richtig gut. Oben vegan, unten vegetarisch:


Und so sehen die beiden Varianten aus, wenn sie aus dem Ofen kommen: 



Und da ich, seit wir hier auf Malta leben, meine Liebe zu Auberginen entdeckt habe, musste ich natürlich auch eine Version mit den dunkellila Geschmacksbomben ausprobieren:


Und zwar habe ich dazu die Aubergine geschält und geraspelt (ungeschält klappt das nur mäßig gut), mit passierten Tomaten und Gewürzen gemischt und das dann zwischen die Lasagneplatten gefüllt. Oben drauf gab es als Abschluss eine Lage Zwiebelringe, die ich mit Thymian und ein bisschen Zucker karamellisiert habe, und etwas Reibekäse. Note to self: Kräftig würzen und dann seeeehr lecker!

Wenn es mal schnell gehen muss, habe ich ein go-to-Gericht, das immer klappt: Kichererbsen-Curry. Reis aufsetzen und dann in einer großen Pfanne gehackte Zwiebeln, Knoblauch und - wenn vorhanden - Ingwer in etwas Öl anschwitzen und mit Curry, Paprika, Kurkuma und ein bisschen Kreuzkümmel würzen, bis es zu duften anfängt. Zwei gute Esslöffel Tomatenmark dazu und dann eine Dose Kokosmilch angießen und gut vermischen. Zwei Dosen abgetropfte Kichererbsen dazu, und erhitzen - done! 


Das Kichererbsenwasser (auch Aquafaba) nicht wegschütten, das kann man nämlich aufschlagen wie Eischnee (und es schmeckt auch nicht nach Kichererbsen). Etwas Puderzucker und geschmolzene Schokolade unterheben, und im Kühlschrank fest werden lassen. Ist natürlich mit Mousse au Chocolat mit Sahne nicht zu vergleichen - so ehrlich sollten wir sein. Aber verstecken muss sich diese vegane Schokomousse auch nicht. Ein Foto hab ich allerdings nicht, sorry!

Kommen wir dann zum letzten herzhaften Gericht. Das ist inspiriert von den spanischen Albondigas, nur sind die Bällchen hier aus weißen Bohnen statt aus Hackfleisch. Eine helle Sauce aus Zwiebeln und Weißwein dazu - Spanien, olé!


Aber Ihr kennt mich: Ohne einen süßen Abschluss kommen wir nicht raus aus der Nummer hier. If life (oder die Arbeitskollegin oder Nachbarin) gives you lemons, dann back was draus!


Muffins sind ja quasi der Klassiker, und deshalb wollte ich auch hier mal was ausprobieren, das ich vorher noch nicht gemacht hatte - Lemon Crackle Cookies. Dazu bereitet man einen relativ unspektakulären Teig mit reichlich Zitronenabrieb und Zitronensaft, und formt daraus Kugeln, die VOR dem Backen noch in Puderzucker gewälzt werden. Puderzucker hatte ich leider schon aufgebraucht für den Zuckerguss auf den Muffins, also hab ich ihn einfach selbst gemacht: Eine Tasse normalen Haushaltszucker und einen Teelöffel Speisestärke in einen Food Processor und häckseln, was das Zeug hält - fertig! Die Kekse gehen dann bei 180 Grad für 12 Minuten in den Ofen und bekommen so eine rissige Oberfläche. Sie verlaufen fast nicht, und innendrin sind sie fluffig und herrlich zitronig. Mache ich definitiv wieder!



Lasst es euch gutgehen und genießt den Frühling!