Hi, Ihr Lieben,
ich musste leider kurzfristig nach Deutschland, sodass mein letzter Blogpost schon eine Weile her ist. Aber mittlerweile bin ich wieder hier, alle Beteiligten sind guter Dinge, und es geht aufwärts!
Und deswegen zeige ich Euch noch ein bisschen was aus meiner Küche, denn die Nähstube ist derzeit geschlossen, weil es abgesehen von einer Babydecke in der letzten Zeit nichts zu basteln, handarbeiten oder nähen gab.
In Vorbereitung auf meinen Deutschlandtrip hatte der Hamster zwar gesagt, dass er sich durchaus ein paar Tage selbst versorgen könnte, aber ich dachte mir, so eine selbstgemachte Pizza wäre vielleicht keine schlechte Idee. Also hab ich meinen üblichen Hefeteig angesetzt und in zwei runden Formen für 10 Minuten ohne Belag vorgebacken. Darauf kam dann Tomatensauce, jede Menge Gemüse und eine Art Kochkäse aus Sonnenblumenkernen.
Dazu habe ich eine Tasse Sonnenblumenkerne über Nacht in Wasser eingeweicht und am nächsten Tag im Mixer mit etwas Wasser geschreddert. Dazu kamen dann Hefeflocken, diverse Gewürze und Maisstärke. Das wurde dann nochmal gründlich durchgemixt, im Topf unter ständigem Rühren aufgekocht, bis es ordentlich eindickt war und kam dann in eine geölte Form. Abkühlen lassen, stürzen und fertig! Eignet sich prima für Pizza, Aufläufe oder auf's Brot, schmilzt nicht ganz so gut wie Käse aus tierischer Milch, schmeckt aber klasse. Sah dann so aus:
Das hab ich dann in den Gefrierschrank gepackt, und die Prachtstücke können dann wie handelsübliche TK-Pizza aufgetaut und fertig gebacken werden.
Ich will jetzt keine Diskussion anstoßen, ob es wirklich nötig ist, Fleisch, Wurst oder Käse in vegan nachzubauen. Meine höchstpersönliche Meinung: Wenn jemand dem Tierwohl zuliebe auf tierische Produkte weitestgehend verzichtet, den Geschmack aber trotzdem gerne mag, spricht doch nichts dagegen, Burgerpatties oder Frischkäse auf Pflanzenbasis zu zaubern. Und so bin ich kürzlich über einen Youtube-Kanal namens "The Pot thickens" gestolpert. Ein sehr netter Mensch, den ich im ersten Moment für den Globalen Chef meines Arbeitgebers oder zumindest seinen Zwillingsbruder gehalten habe. Es stellte sich aber heraus, dass er nichts mit EY zu tun hat, sondern sich seit einiger Zeit vegan ernährt und sich im Zuge dessen selbst einige Tricks und Kniffe beim Kochen beigebracht hat. Seine ruhige und unaufgeregte Art, Zubereitungsweisen genau zu erklären, hat mir spontan gut gefallen und ich beschloss, das eine oder andere auszuprobieren.
Gestartet hab ich mit Seitan aus Weizenmehl (das kann man auch aus anderen Zutaten herstellen, aber das hier fand ich besonders einfach). Das Prinzip, was dahinter liegt, ist simpel: Aus einem supereinfachen Teig aus Weizenmehl und Wasser wird die gesamte Stärke ausgewaschen und zurück bleibt Gluten, also der Kleber. Dazu startet man wie gesagt mit Mehl und Wasser, was gründlich verknetet wird und dann mit Wasser bedeckt eine Nacht ruhen darf. Am nächsten Tag schüttet man das Wasser ab und gießt in die Schüssel mit dem Teig kaltes, klares Wasser (wer jetzt Malaria im Ohr hat - I feel you!). Der Teig wird dann sozusagen massiert, sodass die Stärke aus dem Teig austritt und das Wasser milchig-trüb und weiß wird. Das habe ich insgesamt sechs Mal gemacht, bis das Wasser nur noch schwach getrübt war. Das Stärkewasser der ersten beiden Waschungen habe ich übrigens aufgehoben und komme später darauf zurück. Der Teig hat jetzt übrigens eine gummiartige Konsistenz und sieht ausgerollt ungefähr so aus:
Das schmeckt jetzt ungefähr so intensiv wie seine Farbe :-), und deshalb wird der Teig in einer kräftigen Brühe etwa zwei Stunden lang gekocht. In diese Brühe hab ich u. A. Misopaste, Gemüsebrühpulver, Liebstöckel, Paprika edelsüß und geräuchert und noch einiges mehr reingepackt. Nach dem Kochen hab ich den Seitan in der Brühe abkühlen lassen und in der Brühe über Nacht in den Kühlschrank gestellt.
Diesen Batzen Seitan kann man jetzt mit zwei Gabeln (oder den Fingern) auseinander zupfen, dass es aussieht wie Shredded Chicken - natürlich gibt es noch unzählige Möglichkeiten, was man mit diesem Weizen-Seitan machen kann, z. B. zu Nuggets zurechtschneiden und in Panade frittieren oder in Frikassee geben oder einen "Geflügel"-Salat daraus mischen oder oder oder. Ich hab mich allerdings für die Pulled BBQ Chicken-Variante entschieden.
Also Seitan zerzupft (s.o.) , eine BBQ-Sauce gekocht und Weizen-Tortillas erst geknetet und dann in der Pfanne gebraten, und dann ging's ans Zusammenpuzzeln: Seitan mit der Sauce mischen und in den Tortillafladen geben. Dann gewürfelte Tomaten und Eisbergsalat drauf, ein bisschen vegane Mayo drüber und genießen. Das war zwar saumäßig viel Arbeit, aber auch saumäßig lecker!
Sauce und Fladen:














