Dienstag, 28. März 2023

Mach das doch mal in vegan...

Hi, Ihr Lieben,

ich musste leider kurzfristig nach Deutschland, sodass mein letzter Blogpost schon eine Weile her ist. Aber mittlerweile bin ich wieder hier, alle Beteiligten sind guter Dinge, und es geht aufwärts!

Und deswegen zeige ich Euch noch ein bisschen was aus meiner Küche, denn die Nähstube ist derzeit geschlossen, weil es abgesehen von einer Babydecke in der letzten Zeit nichts zu basteln, handarbeiten oder nähen gab. 

In Vorbereitung auf meinen Deutschlandtrip hatte der Hamster zwar gesagt, dass er sich durchaus ein paar Tage selbst versorgen könnte, aber ich dachte mir, so eine selbstgemachte Pizza wäre vielleicht keine schlechte Idee. Also hab ich meinen üblichen Hefeteig angesetzt und in zwei runden Formen für 10 Minuten ohne Belag vorgebacken. Darauf kam dann Tomatensauce, jede Menge Gemüse und eine Art Kochkäse aus Sonnenblumenkernen. 

Dazu habe ich eine Tasse Sonnenblumenkerne über Nacht in Wasser eingeweicht und am nächsten Tag im Mixer mit etwas Wasser geschreddert. Dazu kamen dann Hefeflocken, diverse Gewürze und Maisstärke. Das wurde dann nochmal gründlich durchgemixt, im Topf unter ständigem Rühren aufgekocht, bis es ordentlich eindickt war und kam dann in eine geölte Form. Abkühlen lassen, stürzen und fertig! Eignet sich prima für Pizza, Aufläufe oder auf's Brot, schmilzt nicht ganz so gut wie Käse aus tierischer Milch, schmeckt aber klasse. Sah dann so aus:

Das hab ich dann in den Gefrierschrank gepackt, und die Prachtstücke können dann wie handelsübliche TK-Pizza aufgetaut und fertig gebacken werden.

Ich will jetzt keine Diskussion anstoßen, ob es wirklich nötig ist, Fleisch, Wurst oder Käse in vegan nachzubauen. Meine höchstpersönliche Meinung: Wenn jemand dem Tierwohl zuliebe auf tierische Produkte weitestgehend verzichtet, den Geschmack aber trotzdem gerne mag, spricht doch nichts dagegen, Burgerpatties oder Frischkäse auf Pflanzenbasis zu zaubern. Und so bin ich kürzlich über einen Youtube-Kanal namens "The Pot thickens" gestolpert. Ein sehr netter Mensch, den ich im ersten Moment für den Globalen Chef meines Arbeitgebers oder zumindest seinen Zwillingsbruder gehalten habe. Es stellte sich aber heraus, dass er nichts mit EY zu tun hat, sondern sich seit einiger Zeit vegan ernährt und sich im Zuge dessen selbst einige Tricks und Kniffe beim Kochen beigebracht hat. Seine ruhige und unaufgeregte Art, Zubereitungsweisen genau zu erklären, hat mir spontan gut gefallen und ich beschloss, das eine oder andere auszuprobieren.

Gestartet hab ich mit Seitan aus Weizenmehl (das kann man auch aus anderen Zutaten herstellen, aber das hier fand ich besonders einfach). Das Prinzip, was dahinter liegt, ist simpel: Aus einem supereinfachen Teig aus Weizenmehl und Wasser wird die gesamte Stärke ausgewaschen und zurück bleibt Gluten, also der Kleber. Dazu startet man wie gesagt mit Mehl und Wasser, was gründlich verknetet wird und dann mit Wasser bedeckt eine Nacht ruhen darf. Am nächsten Tag schüttet man das Wasser ab und gießt in die Schüssel mit dem Teig kaltes, klares Wasser (wer jetzt Malaria im Ohr hat - I feel you!). Der Teig wird dann sozusagen massiert, sodass die Stärke aus dem Teig austritt und das Wasser milchig-trüb und weiß wird. Das habe ich insgesamt sechs Mal gemacht, bis das Wasser nur noch schwach getrübt war. Das Stärkewasser der ersten beiden Waschungen habe ich übrigens aufgehoben und komme später darauf zurück. Der Teig hat jetzt übrigens eine gummiartige Konsistenz und sieht ausgerollt ungefähr so aus:


Das hab ich dann in drei Stränge geschnitten, geflochten und immer etwas gedehnt, damit die Glutenfasern sich möglichst lang und dünn ausbilden und so den Faserstrukturen von Hühnchen ähnlich werden. Den Zopf habe ich dann noch ein paar Mal verknotet und ein bisschen ruhen lassen. 


Das schmeckt jetzt ungefähr so intensiv wie seine Farbe :-), und deshalb wird der Teig in einer kräftigen Brühe etwa zwei Stunden lang gekocht. In diese Brühe hab ich u. A. Misopaste, Gemüsebrühpulver, Liebstöckel, Paprika edelsüß und geräuchert und noch einiges mehr reingepackt. Nach dem Kochen hab ich den Seitan in der Brühe abkühlen lassen und in der Brühe über Nacht in den Kühlschrank gestellt.


Diesen Batzen Seitan kann man jetzt mit zwei Gabeln (oder den Fingern) auseinander zupfen, dass es aussieht wie Shredded Chicken - natürlich gibt es noch unzählige Möglichkeiten, was man mit diesem Weizen-Seitan machen kann, z. B. zu Nuggets zurechtschneiden und in Panade frittieren oder in Frikassee geben oder einen "Geflügel"-Salat daraus mischen oder oder oder. Ich hab mich allerdings für die Pulled BBQ Chicken-Variante entschieden.

Also Seitan zerzupft (s.o.) , eine BBQ-Sauce gekocht und Weizen-Tortillas erst geknetet und dann in der Pfanne gebraten, und dann ging's ans Zusammenpuzzeln: Seitan mit der Sauce mischen und in den Tortillafladen geben. Dann gewürfelte Tomaten und Eisbergsalat drauf, ein bisschen vegane Mayo drüber und genießen. Das war zwar saumäßig viel Arbeit, aber auch saumäßig lecker!

Sauce und Fladen:



Es ist angerichtet (sorry, leider kein Insta-Foto von einem fertigen Wrap...)!


Und jetzt verrate ich noch, was ich aus dem Stärkewasser gemacht hab - Bacon! Klingt komisch, ist aber so... Ich hatte also zwei Tupper-Mixfix-Becher voll von einer Art Stärkemilch, bei der sich über Nacht die Stärke unten abgesetzt hatte. Also hab ich das Wasser obenauf so gut es ging abgeschüttet und mit einer Tonne von Gewürzen (so ähnlich wie bei der Seitan-Brühe) zwei Flüssigteige hergestellt. Einer war eher hell und einer eher rötlich, damit sie farblich auch ein wenig an Bacon erinnern.

Aus diesen Teigen hab ich zunächst in einer beschichteten Pfanne auf mittlerer Hitze dünne Crêpes gebacken (und den ersten, der ja nie was wird, aufgehoben). Die Crêpes hab ich dann in Streifen geschnitten und nochmal in etwas Fett bei höherer Hitze gebraten, bis sie so richtig schön knusprig waren (hat ja keiner gesagt, dass das hier 'ne Diät-Veranstaltung wird - wäre bei tierischem Bacon ja auch nicht der Fall 😏). Und aus dem verunglückten ersten Crêpe hab ich kleine Fitzelchen geschnitten und diese auch gebraten - das sind jetzt Bacon Bits, und die sind grandios als Topping z. B. auf Cashew-Frischkäse!




Es gibt natürlich noch diverse andere Möglichkeiten, Bacon nachzuempfinden, aber diese Variante ist mir spontan gelungen, wir fanden sie echt lecker, knusprig und würzig, und da das quasi ein Nebenprodukt vom Seitan war, ist das für mich eine Win-Win-Situation. Und noch eine kleine Randbemerkung: Diese vegane Bacon-Version bleibt im Gegensatz zur Originalversion  auch noch ein paar Tage lang crunchy. Ich hab die vom Frühstück übriggebliebenen Streifen in eine Tupperdose im Kühlschrank aufbewahrt, und das war überhaupt kein Problem.

Man soll sich ja auch immer mal wieder an Gemüse wagen, das man nicht besonders gerne hat, und so ging es mir jahrelang mit Aubergine. Ich muss gestehen, die Dinger sehen toll aus, aber bisher haben sie mich geschmacklich nie so richtig überzeugt. Aber - oh Wunder - seit letzter Woche bin ich offiziell Auberginenfan! Und das kam so:

Man nehme eine Aubergine und schnippelt sie in mikroskopisch kleine Würfelchen, die dann zusammen mit Olivenöl und einem halben Teelöffel Salz gute fünf Minuten in einem Topf vor sich hin köcheln dürfen. Dazu kommen dann Haferflocken, geröstete Sesamkörner, Gewürze und - ganz wichtig - in Wasser eingeweichte Flohsamenschalen. Die werden dann nämlich so gummiartig-fest und eignen sich hervorragend als Bindung. Alles mixen, bis es sich schön vermischt hat, und dann noch ein bisschen ruhen lassen, damit die Haferflocken noch etwas ausquellen können. 



Aus dieser Masse werden dann kleine Frikadellchen geformt, die ich noch in Semmelbröseln gewendet habe. 


Die werden dann in der Pfanne in etwas Öl gebraten, bis sie goldbraun sind. Dazu eine leckere Tomatensauce mit Zwiebelchen und Knoblauch, und das dann über Spaghetti - genial!


Die waren leider so schnell weg, dass ich auch hier wieder mal kein Foto vom Gesamtkunstwerk habe...

Aber wo wir gerade bei Kunstwerk sind: Sonntags trifft sich die "Extended Family" ja immer bei Joe und Mary zum Wochenausklang. Ich finde diese Tradition sehr schön, und weil ich immer was mitbringe und gerne mal Neues ausprobiere, darf sich jeder reihum was wünschen. Letzte Woche lautete der Wunsch "Red Velvet" - und mein Anspruch ist, dass die vegane Variante genauso lecker sein soll wie das Original - challenge accepted. Also hab ich ein bisschen im Netz recherchiert und gebastelt. Das hier ist das Ergebnis, und ich bin wirklich zufrieden - schön und schön lecker!


Nächste Woche plane ich dann New York Cheesecake mit Seidentofu, man darf also gespannt sein...

Insofern gehabt Euch wohl und probiert mal was Neues!