Früher dachte ich ja immer, wenn einem die Klamotten nicht gut passen, läge das entweder daran, dass nicht die richtige Größe gewählt worden ist, einfach "billig" produziert wurde oder der Schnitt schlichtweg nichts für einen tut. Manchmal hab ich mich dann auch geschämt, weil ich die einfachste Lösung für das Problem nicht hinbekommen hab: Nimm doch einfach ab, dann passt du in alle Klamotten. Mittlerweile bin ich älter, schlauer und gelassener.
Sicherlich ist die richtige Konfektionsgröße wichtig, und über Fast Fashion wie Primark, kik, NKD und Konsorten brauche ich wohl kein Wort zu verlieren. Und mit der Zeit bekommt man auch ein Gefühl für den eigenen Stil, weiß, was einem steht und was nicht - und das hat nichts mit der Kleidergröße zu tun. Mein Oberkörper ist, wenn ich den Standardmaßangaben von Schnittmustern glauben darf, gut 4 cm kürzer als der Durchschnitt, dafür sind meine Beine halt ein bisschen länger, sodass ich trotz meines insgesamt eher zwergenhaften Wuchses dennoch "normal" lange Hosen kaufen kann, die nicht über den Boden schleifen.
Ich kann damit leben, dass meine Taille und mein Bauch nicht schlank sind - dafür aber meine Beine. Daher trage ich gerne Kleider, die zwar weit, dafür aber relativ kurz sind, oder enge Hosen und eher legere Oberteile. Ich besitze keine Jumpsuits, weil mir sowas selbst mit 25 kg weniger nicht gut stehen würde, und ich käme nie im Leben auf die Idee, meine Oberkörper mit einem Gürtel optisch noch mehr zu verkürzen, auch wenn der gesamte Luxuskörper in Kleidergröße 40 passte. Und mal davon abgesehen, sind diese Kleidergrößen ehrlich gesagt nur grob richtungsweisend. Einige Große-Größen-Hersteller schreiben z. B. kleine Größen in ihre Klamotten, damit die Kunden sich gut fühlen, wieder andere Hersteller, die eher in die Fast Fashion-Kategorie gehören, teilen ihre Größen so ein, dass selbst Twiggy (oder Kate Moss für die Jüngeren) eine 42 braucht, um atmen zu können. Und ich hab es auch schon erlebt, dass der gleiche Hosenschnitt in der exakt gleichen Größe letztendlich doch unterschiedlich groß, lang oder weit ist.
Meine Nähkünste haben sich zwar in den letzten Jahren verbessert, und ich habe auch schon die eine Jacke und den anderen Mantel komplett genäht (und trage die Sachen sogar gern und oft), aber dennoch habe ich nach wie vor großen Respekt davor, Kleidung für andere selbst zu nähen. Insofern war ich ganz froh, dass der Wetterhamster kürzlich nicht gefragt hat, ob ich ihm eine Jeans nähen könnte, sondern kurzerhand eine bestellt hat. Obwohl er sich an der Größe einer gut sitzenden Jeans orientiert hatte, war die erste Hose insgesamt viel zu klein. Die gleiche Hose eine Nummer größer war dann viel zu lang und zu weit im Bein, und außerdem hat es ihm so gar nicht gepasst, dass da eben Größe x und nicht Größe y drin stand - mimimi. Weil das Ding aber an den vier Buchstaben gut und recht bequem gepasst hat, habe ich ihm dringendst angeraten, die Zahl auf dem kleinen weißen Waschanleitungszettelchen entweder zu vergessen oder rauszuschneiden. Es hilft ja nix: Menschen gibt es nun mal nicht von der Stange, und wenn die Hose am Poppes passt, ist die Größe unerheblich, so lange ich den Rest, also Beinlänge und -weite relativ einfach abändern kann.
Das ist bei Stoffhosen abhängig von der Machart mal mehr, mal weniger kompliziert, bei farbigen Baumwollhosen ohne Bügelfalte total simpel; aber Jeans sind ein Thema für sich. Ihr habt jetzt sicher alle ein Bild von so einem typischen Jeansbein-Abschluss vor Augen, und ich finde es total schade, dass der beim normalen Hosenkürzen verloren geht. Das ist uns sogar schon passiert, als wir für den Wetterhamster in einem Jeansladen eine Hose gekauft haben und sie gleich dort kürzen ließen. Die überschüssige Länge wurde einfach abgeschnitten und das restliche Hosenbein umgenäht. Der charakteristische Saum war weg, und man sah sofort, dass die Hose gekürzt worden ist. Deshalb habe ich jetzt eine andere Technik ausprobiert, die den ursprünglichen Saum erhält. Ist nicht auf meinem Mist gewachsen, aber nun getestet und für gut befunden, sodass ich Euch die frohe Kunde nicht vorenthalten will.
Als erstes habe ich diesen besagten Saum mit einer Nahtzugabe von 1 cm vom Bein abgeschnitten und dann das restliche Bein gekürzt - dabei die Nahtzugabe eingerechnet und im Hinterkopf behalten, dass ja der Saum wieder hinzukommt. Dann habe ich den Saum rechts auf rechts auf das Bein gelegt, sodass beide Schnittkanten aufeinander liegen und der Saum in Richtung Hosenbund zeigt - guckstu hier (bisschen unscharf, aber hoffentlich erkennbar):
Und dann habe ich direkt rechts neben der goldenen Originalnaht (also fast im Nahtschatten) den Saum mit blauem Garn festgenäht.
Hier sieht man, dass die Nadel direkt neben der Ursprungsnaht einsticht:
Ich hab danach das Ganze mit einem Zickzack-Stich versäubert, weil Jeansstoff ja gerne ausfranst:
So kam ich zu folgendem Ergebnis:
Der Saum ist da, aber jetzt ist Bügeln angesagt. Und damit die Rückseite schön flach liegt, habe ich den neuen Saum mit doppelseitig klebendem Aufbügelvliesband-Gedöns am Hosenbein festgepappt.
Und wenn dann alles glattgebügelt und gewendet ist, sieht das so aus:
Kann man nicht meckern, oder? Klar, wenn man die Hose umkrempelt, sieht man natürlich die Naht. Aber wenn die Beinlänge stimmt, braucht man ja auch nix mehr umkrempeln, oder?
In diesem Sinne erhebe ich mein Glas auf Einzigartigkeit und Individualität - Prost!!!






























