Freitag, 16. Juni 2023

Malta Medizinisch

Hallo, Ihr Lieben!



Der Mai ist gekommen und auch wieder gegangen, und war für mich ziemlich arbeitsintensiv. Dazu werde ich vielleicht irgendwann einen eigenen Post erstellen, aber das war auf jeden Fall der Grund, warum hier im Mai Funkstille herrschte. 

Apropos Funk und Navigation und so: Ich kann den Hamster jetzt neuerdings "Oh Käpt'n, mein Käpt'n" nennen. Und am Wochenende singe ich jetzt regelmäßig "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn..." Er hat nämlich im Mai fleißig Signale, Knoten und Schiffahrtsrecht gepaukt und seine Nautical License erworben! Das heißt, er darf jetzt in der 12 Meilen-Zone rund um Malta, Gozo und Comino schippern, und nächstes Jahr macht er dann eventuell das nächste Schiffahrts-Patent, wo er dann weiter raus darf und größere Boote/Schiffe bewegen kann. Doch das nur am Rande.

Wenn man so rumfragt, was an Deutschland gut funktioniert, hört man relativ häufig "das Gesundheitssystem". Wobei man in der Hinsicht durchaus geteilter Meinung sein kann. Ich denke, Menschen, die wochenlang auf einen Termin bei einem Spezialisten warten, oder Lipödem-Betroffene, die sich lebenslang mit Lymphdrainagen und Kompressionsstrümpfen statt einer einzigen OP rumschlagen müssen, können davon sicherlich ein Lied singen. Ich persönlich habe allerdings immer gute Erfahrungen mit Ärzten und meiner Krankenkasse gemacht. Wobei letztere seit meiner Kündigung und dem Wegzug aus Deutschland immer wieder nachfragt, ob ich nicht mein Flugticket einreichen könnte, damit sie auch wirklich wissen, dass ich nicht mehr in Deutschland lebe. Als ob die Abmeldebescheinigung der deutschen Meldebehörden nicht Nachweis genug wäre. Geht die doch gar nichts an, wo ich jetzt wohne. Reicht doch, dass sie keine Leistungen mehr erbringen und ich nichts mehr zahle. Aber ich will mich nicht aufregen, ist schlecht für die Gesundheit...

Wie ist es denn hier auf Malta? Wenn ich an Samariter, Johanniter und Malteser denke, müsste es hier ja eigentlich richtig gut laufen, oder? Und was soll ich sagen - das stimmt! Zumindest, was ich bisher so mitbekommen habe. Es fallen mir spontan zwei Krankenhäuser ein, eines auf Gozo und das "Mater Dei" hier auf Malta. Das sind natürlich nicht die einzigen, aber für die Bevölkerungszahl von etwa 500.000 ist das schon mal keine schlechte Quote, und beide haben einen sehr guten Ruf - wie das maltesische Gesundheitssystem insgesamt. Auch hier kann es schon mal zu Wartezeiten kommen, wenn es sich um planbare Operationen handelt, aber sobald etwas lebensbedrohlich ist, wird das natürlich auch sofort behandelt. Und man kann bei Routinegeschichten auch immer mal in dem Hospital auf Gozo nachfragen, ob man da schneller drankommt. 

Es gibt hier soweit ich weiß keine gesetzlich verpflichtende Krankenversicherung, sondern entweder zahlt der Arbeitgeber die Krankenversicherung, oder aber man schließt eine private Krankenversicherung ab. Letztere haben wir abgeschlossen, als wir übergesiedelt sind, und der teuerste Tarif mit allem Zipp und Zapp kostete ein Bruchteil von dem, was Alex in Deutschland jährlich gezahlt hat. Es gibt auch keine gehaltlichen Hürden - in Deutschland muss man ja zwei Jahre lang deutlich über einer gewissen Grenze verdient haben, bevor man von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln darf. In Malta ist man da pragmatisch: Kannst/willst Du Dir die private leisten, dann machst Du das halt. Oder auch nicht.

Zahnbehandlungen zahlt man übrigens immer selbst, dafür gibt es keine Krankenversicherung, auch nicht privat. Ich habe allerdings keinen blassen Schimmer, was eine Goldkrone kostet, insofern enthalte ich mich hier jeglicher Bewertung. Zumindest sind mir die Maltesen bisher nicht durch schlechte oder schiefe Zähne aufgefallen (das war vor Jahren in UK beispielsweise der Fall), insofern scheint das alles irgendwie erschwinglich zu sein.

Nichtsdestotrotz hatten wir hier auch schon Kontakt mit einem Hausarzt. Die haben hier - im Gegensatz zu Deutschland - oft keine eigenen Praxisräume, sondern einen Behandlungsraum in der örtlichen Apotheke. Montags ist z. B. Dr. X in der Apotheke, und Dienstags eben Dr. Y. Dort wird dann nach dem Motto "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" behandelt, denn die Apotheken machen keine Termine. Wenn es in der Grippesaison dumm läuft, kann es dann schon mal sein, dass Du Dich morgens um acht Uhr brav anstellst, aber um elf Uhr unverrichteter Dinge wieder heimgehen musst, weil der Arzt oder die Ärztin keine Patienten mehr annehmen kann. 

Doch jetzt kommt das große Aber: Hier gibt es noch ganz viele Hausärzte, die tatsächlich auch noch nach Hause kommen! Und das ohne großen Aufwand; man schickt eine Nachricht per WhatsApp oder gerne auch per Facebook Messenger, und der Arzt gibt Bescheid, wann er vorbei kommen kann. So hatten wir das im Winter gemacht, als Alex für seinen Bootsführerschein ein ärztliches Attest brauchte. Wir waren nicht im Zeitdruck, und Dr. Vassallo kam eines Abends bei uns auf einen Tee vorbei, hat Alex gründlich untersucht, sich sehr viel Zeit genommen, und mir anschließend noch ein Rezept ausgestellt. Sehr bequem, sehr ausführlich und nicht zu vergleichen mit einem überfüllten Wartezimmer und einem Arzt, der vor lauter Patienten nicht richtig zuhört. Dr. Vassallo hat uns sogar sehr detailliert aufgeschrieben, welche Kräuter und Gewürze einen gesunden Lebensstil unterstützen können. Diese Kombination aus Schulmedizin, Naturheilkunde und einem Arzt, der sich wirklich noch als Hausarzt versteht, hat uns extrem gut gefallen. 

Ich habe ja eine massive Schilddrüsenunterfunktion (auch bekannt als Hashimoto Thyreoditis) und benötige hierfür regelmäßig Hormone, denn meine Schilddrüse produziert diese schlichtweg nicht mehr. Ich habe dem Arzt daraufhin meine Medikamente gezeigt, und er hat auf einem Notizblock den Wirkstoff aufgeschrieben (das exakte Medikament gibt es hier auf Malta nicht), und dass ich diese Medikamente täglich benötige und zwar permanent. Stempel und Unterschrift drunter, und das wars dann auch schon. Damit bin ich ich Anfang der Woche dann zur Apotheke, und man händigte mir die Medikamente aus. Das Rezept hab ich unversehrt zurück erhalten, und ich gehe mal davon aus, dass ich das einfach wieder vorzeige, wenn ich neue Tabletten brauche. Nach meiner Krankenversicherung hat übrigens keiner gefragt, und so ein Krankenkassenkärtchen haben wir auch nicht. Alles recht unkompliziert, wie ich finde.

Nochmal kurz zum Vergleich: In Deutschland musste ich einmal im Quartal beim Arzt vorstellig werden, um ein neues Rezept ausstellen zu lassen. Mit dem bin ich dann zur Apotheke gedackelt,  bekam eine 100er Packung meiner Tabletten und zahlte inklusive Rezeptgebühr etwas über 10 Euro, denn mein Medikament war teurer als das, was meine Krankenkasse vorgesehen hatte für Schilddrüsenhormone. Mehr als diese 100 Tabletten gab es auch nicht, denn man argumentierte damit, dass sich der Zustand ja kurzfristig ändern könnte und daraufhin die Medikamentation angepasst werden müsste. Interessanterweise wurde aber nur alle zwei Jahre eine Blutuntersuchung bzw. eine Ultraschalluntersuchung vorgenommen, um die Schilddrüsenhormone zu bestimmen. Das hätte man dann ja eigentlich auch einmal im Quartal machen müssen, oder versteh ich da was falsch? Egal.

Hier auf Malta hat man sich entschuldigt und mich darauf hingewiesen, dass der Wirkstoff, den ich benötige, nicht zu den Medikamenten gehört, die kostenlos ausgegeben würden, obschon mein Zustand chronisch sei. Ich müsste das demnach leider zahlen. Ich erhielt zwei Tablettenschachteln mit je 28 Tabletten, denn ich muss die stückeln (die Dosis, die ich benötige, gibt es nicht in einer Tablette), und ich hab mich schon innerlich gewappnet. Was kommt da jetzt wohl monatlich auf mich zu? Tja, exakt 2,48 EUR für die eine und 2,58 EUR für die andere Schachtel! Da war ich dann doch angenehm überrascht. 

Insofern braucht Ihr Euch also um meine medizinische Versorgung keine Sorgen zu machen :-) Und damit der Post nicht komplett ohne Bild daher kommt:


Es heißt ja immer, man sollte möglichst abwechslungsreich essen (lokal und saisonal) und wenn es geht, stark verarbeitete Lebensmittel vermeiden. Das hatte übrigens auch Dr. Vassallo empfohlen. Deshalb hier Feigen aus Nachbars Garten (lokaler geht's kaum) gebacken mit Ziegenkäse, Karamellsirup und Haselnüssen, Rosmarin-Cracker mit Meersalz und Sauerteigbrot mit veganem Feta und veganer Schnittlauch-Zitronen-Butter. Den Ziegenkäse, die Trauben und die Nüsse hab ich gekauft, aber die Aufstriche, das Brot, den Sirup und die Cracker hab ich selbst gemacht. 

In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende und immer schön gesund bleiben!