Hi Ihr Lieben,
wir sind angekommen! Also will sagen, wir beide sind mit dem Flugzeug hierher gereist, und der kleine schwarze Hund hatte zwei persönliche Chauffeure, und alle haben wir es gesund und munter nach Mellieha, Malta geschafft.
Ob es unser gesamtes Umzugsgut auch hierher schafft, wissen wir noch nicht genau :-) Vor genau einer Woche kam Laszlo, der ungarische Umzugsspediteur, und hat einen Vormittag lang mit uns Tetris gespielt. Wir haben es irgendwie hinbekommen, unseren gesamten Haushalt (und meine Deko- und Bastelsachen) auf genau eine Tonne zu kondensieren, die zu allem Überfluss auch noch auf den Zentimeter genau in einen Sprinter passt.Naja, wir hätten schon noch mehr unterbringen können, aber dann wäre das Auto zu schwer geworden. Und auf die Bestechung von italienischen Beamten, die solche Sprinter gerne mal wiegen, hatte Laszlo verständlicherweise keine Lust. Also haben wir noch schnell ein paar Kisten per DHL verschickt. Es ist allerdings gar nicht so einfach, das Maximalgewicht von 31,5 kg einzuhalten, vor allem, wenn man die Kisten auf der Personenwaage festhalten muss. Und es kam, wie es kommen musste: Eine Kiste war tatsächlich 4 kg schwerer, und da hat DHL dann gestreikt. Ich hatte zwar gehofft, das durch ein erhöhtes Beförderungsentgelt ausgleichen zu können, aber diese Option bietet DHL leider nicht. Nur: Zurückschicken - da wohnt aber keiner mehr, der das entgegennehmen könnte, oder Versteigern/Vernichten. Nun gut, dann wird sich demnächst irgendjemand über ersteigerte Bettwäsche und Handtücher freuen.
Laszlo wird jedenfalls am Samstag hier eintreffen, und die DHL Pakete hoffentlich irgendwann auch. Dann werden wir wie die Maikäfer daran arbeiten, aus der Wohnung, die sich momentan noch wie eine Ferienwohnung anfühlt, ein Zuhause zu machen. Der Anfang ist jedenfalls schon gemacht:
Wenn dann am Samstag - wie angekündigt - das Weinregal gebracht wird, haben wir auf jeden Fall was zum einräumen... Und den Frizzante, den wir gestern probiert haben, war definitiv empfehlenswert!Da hier auf Malta Linksverkehr gilt, haben wir uns entschlossen, erst mal auf ein Auto zu verzichten. Denn es gibt hier ein ganz gutes Bussystem, und das ist seit 1. Oktober sogar komplett kostenlos. Also hab ich heute mal getestet, wie zuverlässig das ist. Und was soll ich sagen: Falscher Tag! Ich kam an der Haltestelle an, und da hing dann ein Schild, dass ausgerechnet heute von 7 bis 19 Uhr ein Teil der Hauptverkehrsstraße aufgrund von Bauarbeiten für den Verkehr gesperrt sei, und man möge doch bitte eine provisorische Haltestelle etwa fünf Minuten von dort ansteuern.
Während ich das noch las, kam von der Seite ein roter Minibus und der Fahrer rief: No bus today, I drive - it's free, it's free! Da er aber nicht sagte, wohin er denn fuhr, und ich auch nicht mit jedem mitfahre, nur weil es kostenlos ist, hab ich mich erst mal auf Schusters Rappen zu der Behelfs-Bushaltestelle gemacht. Bewegung ist ja immer gut. Da warteten dann auch schon ein paar Leute, und nach kurzer Zeit kamen die ersten weiß-grünen Linienbusse. Ich wusste, ich muss die Linie 221 oder 222 nehmen, und deshalb ließ ich die anderen Linien ungenutzt weiterfahren. Dann kam die 222, und sicherheitshalber hab ich dann mal gefragt, ob der Bus am Supermarkt vorbeifährt. Nein, tat er nicht, er fuhr in die entgegengesetzte Richtung, ich solle den nächsten nehmen. Kann schon mal vorkommen, wenn man nur eine Haltestelle einrichtet, an der dann die Buslinien aus beiden Richtungen halten.
Nun gut, irgendwann kam dann tatsächlich die nächste 222, aber die fuhr durch, ohne anzuhalten. Das kann in Malta schon mal vorkommen; wenn die Busse zu voll sind, lassen die keinen mehr rein. Irgendwie nachvollziehbar, aber dennoch ärgerlich. Nun denn, es kam der nächste Bus - eigentlich nicht meine Linie, aber fragen kostet ja nix. Und oh Wunder: Ich erwischte einen echt netten Busfahrer, der meinte, er führe grob in die Richtung und könnte mich in der Nähe des Supermarktes einfach rauslassen. Hat er auch getan, und ich musste dann so ca. 500 m an einer Hauptverkehrsstraße bergauf laufen, aber ich war am Supermarkt. Hat ja nur eine knappe Stunde gedauert :-)
Für den Rückweg hatte ich mich schon auf Einiges gefasst gemacht, aber vor dem Supermarkt standen zwei Mitarbeiter von Transport Malta, und die meinten zu mir, man hätte extra einen Shuttle Service eingerichtet, der käme gleich vorbei - und wer fuhr eine Viertelstunde später vor? Richtig, der junge Mann im roten Minibus! :-) Und so war ich in gut zehn Minuten Zuhause.
Merke: Ein bisschen mehr Zeit einplanen, als von der Nahverkehrs-App vorgegeben, entspannt bleiben, und sich überraschen lassen.
Die Maltesen - das habe ich inzwischen gelernt - verstehen Regeln übrigens eher als Handlungsempfehlungen, die man einhalten kann, oder eben auch ein bisschen beugen. In Deutschland hätte mich der Busfahrer sicher nicht in der Nähe des Supermarktes rausgelassen, wenn da keine offizielle Haltestelle gewesen wäre. Aber er fuhr dort vorbei, also konnte er mich auch schnell rauslassen - sehr pragmatisch.
Genauso pragmatisch sind sie auch in anderen Dingen. Mir ist z. B. aufgefallen, dass an vielen Häusern Wasserflaschen rausgestellt sind. Und nein, die sind nicht für die Müllabfuhr (die hier übrigens auch kostenlos ist, obwohl hier täglich irgendwas abgeholt wird). Vielmehr hat es den praktischen Hintergrund, dass, wenn ein Hund die Hauswand markiert, man direkt etwas Wasser drüber gießen kann, damit sich das Ganze nicht zum Nachrichten-Hotspot für sämtliche Hunde aus der Nachbarschaft entwickelt. In der Wärme kann das nämlich ganz schön intensiv sein... Aber anstatt sich fürchterlich aufzuregen und böse Schilder aufzustellen, dass Bello hier keinen Kommentar zu Anderhunds' Nachrichten hinterlassen darf, stellen sie einfach Wasser vor die Tür (Wasser ist hier nämlich ziemlich günstig.) Geht auch!
Das waren so die ersten Eindrücke, ich halte Euch auf dem Laufenden, wie sich das Leben hier als Expat weiter gestaltet.Gehabt Euch wohl!