Freitag, 17. Mai 2024

Alles neu macht der Mai!

Hallo Ihr Lieben,

ich mag den Mai - es ist Frühling, die Natur ist quasi wieder auf Anfang, viele liebe Menschen haben im Mai Geburtstag, der sächsische Wetterhamster und ich feiern unseren Jahres- und Hochzeitstag, und zumindest in Deutschland gibt es zwei sehr praktisch gelegene Feiertage jeweils donnerstags.


Und dieses Jahr kam noch was dazu: Wir sind umgezogen! Wir hatten ja einen Mietvertrag, der auf zwei Jahre befristet war, und wenn man den eine bestimmte Zeit abgewohnt hat, kann man früher raus. Das haben wir Anfang des Jahres gelernt, und haben gleich mal Augen und Ohren offen gehalten, ob sich eine schöne neue Bleibe findet.

Wir haben dann aber gleich noch was gelernt, und zwar, dass diese Kündigungsfristen von drei Monaten oder mehr, die man von Deutschland her kennt, hier keinerlei Relevanz haben. Klar, eigentlich müsste man dem Vermieter auch hier zwei Monate vor Auszug Bescheid geben, aber wie so oft ist das eine Handlungsempfehlung :-) Sobald man dem Vermieter sagt, dass man ausziehen will, kann man im Prinzip schon mal mit Packen anfangen. Das war uns zunächst nicht so bewusst, und als ich dann auf die ersten Wohnungsanzeigen geantwortet habe und meinte, wir könnten erst in zwei Monaten einziehen wegen der Kündigungsfrist, hieß es dann jedes Mal: Dann kommen Sie später wieder auf uns zu, die Wohnung hier ist morgen vermietet und übermorgen ziehen die neuen Bewohner ein. 

Oookay, daraufhin haben wir mit unseren Vermietern vereinbart, dass wir Ende April ausziehen, und ich hab mir an Ostern einen Haufen Wohnungen angesehen. Wir hatten zwischenzeitlich mal überlegt, auf die Schwesterinsel Gozo zu ziehen, denn da ist es noch ein bisschen ruhiger und ursprünglicher. Aber das hätte unsere Arbeitswege so verlängert, dass sich das echt nur lohnt, wenn man komplett remote arbeiten kann. Also habe ich die Suche auf unseren jetzigen Wohnort beschränkt, denn der gefällt uns wirklich gut. 

Und es ist wie überall: Es gibt schöne und weniger schöne Wohnungen, mal passt die Lage, aber die Größe nicht, mal ist die Einrichtung sehr schön, aber der Preis komplett überzogen, mal sind Lage und Einrichtung toll, aber dann gibt es keinen Aufzug in den vierten Stock - irgendwas ist immer. Aber wenn man bereit ist, den einen oder anderen Kompromiss einzugehen, kann man schon tolle Sachen finden. Und so war es auch! 

Nachdem ich mich durch einen Haufen Anzeigen bei Facebook Marketplace gewühlt hatte und gute zehn Wohnungen angeschaut hatte, haben wir einer Wohnung so gut wie zugesagt. Schöner Blick über das Städtchen, neue Küche, moderne Einrichtung, Platz fürs E-Bike, und Heinrich war willkommen. Zwar nur zwei (Schlaf-)Zimmer, aber wir würden halt in jedes einen Schreibtisch reinquetschen, und dann würde das schon gehen. 

Dann rief mich eine Maklerin an, die mir zuvor schon zwei Wohnungen gezeigt hatte, die allerdings nicht in Frage kamen, und signalisierte mir, sie hätte was, das mir gefallen könnte. Ich hab dann nicht lange gefackelt, Ostermontagmorgen (der hier kein Feiertag ist) um 8:30 hatte ich den Besichtigungstermin. Es stellte sich dann heraus, dass die Maklerin eine Nichte unserer damaligen Vermieter ist (El Mundo es un Pañuelo...), und darüber hinaus stolze Hundemama eines French Bulldogs :-) Wenn das kein gutes Vorzeichen ist... Und was soll ich sagen? Ich kam in die Wohnung rein wusste instinktiv, die hat Potenzial. 

Genauso groß wie die vorherige Wohnung, also 3 Schlafzimmer (ca. 140 m²), mehr oder weniger der gleiche Schnitt, sprich ein langer Flur (Apple Fitness freut sich), von dem die Zimmer abgehen, und der dann am Ende in den offenen Wohnzimmer- und Küchenbereich mündet. Sie liegt im dritten Stock eines Apartmentkomplexes, der ein bisschen wirkt wie ein ehemaliges Hotel, hat einen Aufzug (mit einem funktionierenden Notdienst :-D ), einen schönen Balkon mit einer tollen Aussicht (He fählt nur vum Balkon die Aussich op d'r Dom. - naja, Aussicht auf die Kirche haben wir tatsächlich, da kann man nicht meckern).


Außerdem gibt es einen mediterran gefliesten Fußboden, der im Gegensatz zum vorherigen hochglänzenden Fliesenboden sehr dankbar ist. Will sagen: Man sieht nicht sofort jeden Wasserfleck, wenn Heinrich sich mal wieder ein Schlückchen Kraneberger Nordhang genehmigt hat. Klimaanlage gibt es auch, eine nagelneue 8 Kilo fassende Waschmaschine (Alex meint, da passt ein ganzes Paralleluniversum rein, wie in meine Handtasche) - das gute Stück steht übrigens in einem Einbauschrank auf dem Balkon, das ist hier sehr üblich. Klar, es wird hier ja im Winter nie so kalt, dass die Leitungen zufrieren könnten. 

Die Küche hat zwar keine Spülmaschine, aber sonst alles, was man so braucht, vor allem Stauraum - das gefällt mir ja ziemlich gut, denn wir haben schon eine ganze Menge Kram. Und seit vorgestern haben wir auch einen nigelnagelneuen Herd mit Backofen, und - ein weiteres Novum für mich - beides mit Gas betrieben. Das ist hier auch sehr üblich, das sieht man an den zahlreichen froschgrünen Gasflaschen auf den Terrassen und Balkonen überall. Nach anfänglichem Zögern (explodiert hier nix???) muss ich allerdings sagen, dass ich verstehen kann, dass professionelle Köche auf Gas schwören. 

Die Möbel, vor allem die Küche und die Wohnzimmerschrankwand in Eiche rustikal erinnern mich ein bisschen an eine 70er Jahre Kellerbar - ein bisschen Alkohol, und ich fange an, Discofox zu tanzen :-D OK, das fällt unter die vorhin erwähnten Kompromisse, die man so machen muss. Aber wenn ich ehrlich bin: Wenn man die Küchenschränke und die Wohnzimmerwand mit einer hellen Kreidefarbe anstreichen würde, sähe das richtig gut aus, so Vintage/shabby chic-mäßig. Hier mal ein Bild aus dem Umzugschaos, damit Ihr Euch ein Bild machen könnt...


Was aber absolut für die Wohnung spricht, ist die Lage. Wenn wir aus der Haustüre gehen, sind wir in drei Minuten lockerem Spaziergang direkt am Meer! Das war nämlich in der letzten Wohnung so eine Sache: Wir hatten einen sagenhaften Ausblick auf die Bucht, aber um die Füße ins Wasser tauchen zu können, mussten wir entweder das Auto oder den Bus bemühen. Das ist in etwa so, als würdest du einem Kind einen Lolli vor die Nase halten, aber nicht dran lecken lassen. 

Und jetzt verbringen die beiden Herren (zweibeinig und vierbeinig) täglich ihre Mittagspause am Meer. Das gibt so unglaublich viel Lebensqualität, dass wir uns jetzt durchaus vorstellen können, uns hier dauerhaft niederzulassen. Is aber auch schön hier!



Der Arbeitsweg ist mehr oder weniger gleich geblieben - der Bus braucht exakt 2 Minuten länger, aber dafür ist die Bushaltestelle viel näher als vorher. Und die Aussicht von da ist auch sehr nett:



Tja, und zwischenzeitlich sind wir auch umgemeldet - das muss man hier wie in Deutschland erledigen, wenn man umgezogen ist. Allerdings wird hier nicht einfach ein Aufkleber auf den Personalausweis gepappt, sondern es wird gleich eine neue ID Card erstellt. Als EU Bürger ist das aber kein Problem, das einzige, was problematisch war, war einen Parkplatz in der Nähe zu kriegen! Und weil ich ja auch einen kleinen Bildungsauftrag habe, hier noch ein bisschen was zu den maltesischen Adressen: Die Postleitzahl besteht auf Malta aus zwei Komponenten, und zwar drei Buchstaben, die das Stadtgebiet repräsentieren und dann noch vier Zahlen. Das ist schon ziemlich präzise; das Hotel zwei Häuser weiter hat z. B. schon einen anderen Postcode als unser Gebäude. Was dagegen nicht ganz so präzise gehandhabt wird, ist die Hausnummer. Hier haben viele Gebäude einen Namen - unseres heißt beispielsweise Halcyon, und das reicht, eine Hausnummer gibt es nicht. Man braucht auch nicht zwingend einen Namen auf dem Klingelschild oder am Briefkasten. Da genügt es völlig,  wenn die Wohnungsnummer draufsteht, dann weiß der Postmann, wo er klingeln muss.

Übrigens hatten wir den Aufwand für unseren Umzug völlig unterschätzt :-D Wir dachten ja, das würde ein Spaziergang, schließlich wollten wir ja ohne Möbel umziehen und hatten vor dem Umzug nach Malta ordentlich ausgemistet. Aber auf wundersame Weise ist unser Hausstand schon wieder explodiert, und mein kleiner blauer Käfer hat tapfer Kiste um Kiste in die neue Wohnung transportiert. Jetzt fühlen wir uns sauwohl, aber für die nächsten Jahre (mindestens zwei) möchten wir erst mal nicht mehr umziehen!


In diesem Sinne - lasst es Euch gutgehen und genießt den Mai!


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