Montag, 18. Mai 2020

Schönschrift

Huhu Ihr Lieben,

damals (als die Dinosaurier die Erde bevölkerten und ich zur Schule ging) haben wir noch Schreibschrift gelernt, und ich übte meine ersten Bögen und Schwünge auf einer Schiefertafel (die garantiert aus Plastik war und nicht aus Schiefer). Und der Lehrkörper hat dann die Schönschrift beurteilt. Es sollte eben nicht so aussehen, als wäre ein Huhn über das Heft gelaufen oder als hätte der Hausarzt ein Rezept ausgestellt, das nur die MTA entziffern kann.

Irgendwann entwickelte sich dann eine mehr oder weniger schöne, mehr oder weniger lesbare  Handschrift; bis zum Abitur habe ich alle Aufzeichnungen, Notizen, Mitschriften und Klausuren von Hand geschrieben. Mit 18 bekam ich eine elektronische Schreibmaschine und lernte das Maschineschreiben mit zehn Fingern als Weiterentwicklung zum Adlersuchsystem - Einkreisen und Zustechen. Nach fast 30 Jahren Tätigkeit als Sekretärin schreibe ich mittlerweile nur noch wenig von Hand (meist Telefonnotizen und Einkaufszettel), denn es geht schneller auf der Tastatur und weniger ermüdend für die Hände ist es auch.

Aber ich hatte immer schon Spaß an Schönschrift - ich erinnere mich sogar dunkel, dass ich mal einen Kalligraphie-Wochenendkurs an der VHS gemacht habe. Mittlerweile gibt es einen neuen Trend, und der muss natürlich einen schönen Namen haben - Kalligraphie heißt jetzt Handlettering und bedeutet eigentlich nix anderes. Außer dass man jetzt vielleicht mehrere Schriftarten miteinander kombiniert und um eine Design-Komponente erweitern kann. Eine Unterart dieses Handlettering nennt sich Fauxligraphy und die Sprachaffinen unter Euch können sich vielleicht denken, wo das herkommt. In der Kalligraphie arbeitet man normalerweise mit einer Schreibfeder, und je nachdem, ob diese eine Auf- oder eine Abwärtsbewegung macht, ist der Strich schmaler oder dicker. Benutzt man statt einer altertümlichen Schreibfeder einen modernen Filzschreiber mit einer dünnen Spitze, hat man diesen Effekt nicht, aber man kann ihn vortäuschen, indem man jeden Abwärts-Strich verstärkt und verbreitert. Falsch heißt im Französischen (und auch im Englischen) faux, und so ist der Filzschreiber quasi eine falsche Feder - daher die nette Wortneuschöpfung.

Bevor Euch aber mein Oberlehrer-Vortrag zum Einschlafen bringt, zeige ich Euch mal, was ich in der letzten Zeit so ausprobiert hab. Zunächst habe ich auf verschiedenen Papiervarianten Hintergründe geschaffen, indem ich auf eine angefeuchtete Acrylscheibe (man könnte auch eine Plastiktüte nehmen bzw. irgendwas, das kein Wasser aufsaugt) Wasserfarben aufgetragen, dann das Papier aufgelegt und schließlich wieder abgenommen. Sozusagen ein umgekehrtes Stempelverfahren. Nach dem Trocknen hab ich mich dann an einzelnen Worten und netten Sprüchen versucht. Ich habe - zugegebenermaßen - zuerst Vorlagen 1:1 abgemalt, und ein eigener Stil wird sich erst mit der Zeit entwickeln, schätze ich. Epic Fails sind bisher keine dabei rumgekommen, aber ich gestehe, dass mir die letzten Sachen besser gefallen als die allerersten. 

Here we go - als allererstes kleine Kritzeleien zum Aufwärmen - wie man unschwer erkennen kann, kamen die an Muttertag zum Einsatz:


Dann kurze Statements für den vorsichtigen Einstieg:




Hier hab ich noch ein bisschen drumherum gekritzelt (Doodles auf Neudeutsch):


Ach ja, und damit hier kein falscher Eindruck entsteht, ich hab wahrlich nichts gegen Englisch (ich liebe diese Sprache) - ich betrachte die Entwicklung nur manchmal mit einem Augenzwinkern :-)

Hier zwei Kalligraphien mit etwas mehr Text - ich arbeite mich langsam vor...


Das obere sieht noch sehr bemüht aus, 
aber das untere hat schon eine gewisse Leichtigkeit, finde ich...

Manchmal lenkt auch ein lustiger Text von stilistischen Unzulänglichkeiten ab :-)



Und jetzt kommen wir zu meinen vier Lieblingen - teilweise ganz simpel, aber mit Sprachwitz, teilweise sehr verschnörkelt und manchmal eine Kombination aus verschiedenen Schriften und Formen, aber seht selbst:





Mit einem hübschen Rahmen könnte ich mir das eine oder andere Bild ganz gut vorstellen.

In diesem Sinne - bleibt gesund und kreativ!









2 Kommentare: