Hallo Ihr Lieben,
die Maltesen sind zwar gute Geschäftsleute, aber trotzdem sind sie nicht nur auf Zahlen, Daten und Fakten fokussiert. Im Gegenteil – alle Maltesen, die ich bisher getroffen habe, haben eine ausgeprägte Vorliebe für Musik, Tanz und/oder Gesang. Das fängt damit an, dass ausnahmslos alle Maltesen glühende Anhänger des Eurovision Song Contest sind und Malta jedes Jahr mitmacht (auf jeden Fall erfolgreicher als Germanyzeropoints). Das Event ist wochenlang Gesprächsthema Nummer eins, und am Abend der Fernsehübertragung sind die Straßen so leergefegt wie in Deutschland beim WM-Endspiel mit Nationalmannschafts-Beteiligung. Außerdem gibt es natürlich „Malta’s got Talent“ (also „Malta sucht den Superstar“), „Dancing with the Stars“ (auf Deutsch „Let’s Dance“ – haha) und jedes Wochenende unzählige kleinere Veranstaltungen, an denen lokale Künstler mit riesigem Talent auftreten. Auf der kleinen Schwesterinsel Gozo gibt es sogar zwei Opernhäuser, und der Tenor Joseph Calleja ist international bekannt. Ich habe ihn sogar vor einiger Zeit in einer Netflix-Reportage über Mario Lanza gesehen.
Selbst
internationale Künstler kommen gern nach Malta – Elton John war beispielsweise
schon hier und Tina Turner; diesen Sommer sind Robbie Williams und André Rieu
hier aufgetreten (über Geschmack lässt sich ja nicht streiten), und nächstes
Jahr wird Ed Sheeran hier herkommen. Ich warte immer noch auf ein Gastspiel von
Depeche Mode, aber das ist leider nicht in Sicht, doch die Hoffnung stirbt
bekanntlich zuletzt.)
Und dann sind da noch die ganzen lokalen Musikvereine, die sogenannten Band Clubs, von denen es in jedem kleinen Kaff auf jeden Fall einen, wenn nicht sogar mehrere gibt. Mellieha hat zum Beispiel mindestens zwei. So ein Band Club hat natürlich auch ein Vereinslokal, und wie der Name schon sagt, ist das nicht nur ein Clubhaus, wo musiziert wird, sondern oft auch eine richtige Kneipe oder Restaurant, wo man für kleines Geld richtig gut essen gehen kann. Diese Band Clubs machen tolle Jugendarbeit, das heißt ab etwa fünf Jahren werden die Nachwuchskünstler an ein Instrument herangeführt mit regelmäßigem Unterricht, das Instrument wird vom Verein gestellt, und die Teilnahme an den Übungsstunden oder Chorproben ist kostenlos. Es gibt auch keinen Mitgliedsbeitrag oder Zuzahlung zur Uniform (z. B. Poloshirt mit Vereinslogo, einheitlicher Schal für die Damen bzw. Krawatte für die Herren) – was dazu führt, dass es auf Malta eine Menge ausgezeichneter Musiker gibt, denn jeder, der möchte, hat Zugang zu musikalischer Ausbildung.
Wer mich kennt, weiß, dass ich seit meinem 7. Lebensjahr in verschiedenen Chören mitgemacht habe, wenn ich auch in den letzten Jahren nicht mehr aktiv gesungen habe (nur noch unter der Dusche oder so). Aber ich dachte, das wäre eine gute Gelegenheit, wieder anzufangen und eine prima Möglichkeit, mit Leuten in Kontakt zu kommen und sich in die Gesellschaft zu integrieren. Und so singe ich seit Juli bei der Choral and Orchestral Society Maria Bambina!
Wir hatten bereits vor der Hochzeit des Töchterleins ein großes Konzert zusammen mit unserem Orchester und einigen Gastmusikern. Es fand statt auf dem Kirchvorplatz bei uns in Mellieha und war Teil der ausgedehnten Aktivitäten des alljährlichen großen Fests Anfang September. Wir haben eine bunte Mischung aus englischen und maltesischen Musical- und Popsongs präsentiert (z. B. die Ascot Gavotte aus My Fair Lady, Eleanor Rigby von den Beatles, ein Tina Turner-Medley und eines einer bekannten maltesischen Combo). Dazwischen gab es auch Instrumentalstücke vom Orchester, teilweise begleitet von Tänzern, und am Ende gab es – wie fast immer auf der Insel – ein Feuerwerk zum krönenden Abschluss.
Und letzten Samstag hatten wir ein Konzert in der Kathedrale von Mdina. Mdina ist übrigens die alte Hauptstadt von Malta; 1571 wurde Valletta dann zur Hauptstadt ernannt. Der Grund: Von Mdina aus kann man zwar fast die ganze Insel überblicken, aber von Valletta aus hat man die bessere Übersicht über den Hafen und das Meer - das Risiko, von innen angegriffen zu werden, war wohl geringer als von der See aus. Anyway, Mdina ist wunderschön und seine Kathedrale echt beeindruckend. Unser Konzert war eine Matinee (Samstagmorgen, 10:30 Uhr) und außerdem eine Zusammenarbeit mit dem La Valette Band Club, der dieses Jahr sein 150jähriges Bestehen feiert.
Ich bin mir nicht sicher, ob Monsignore Marco Frisina eigens für diese Feierlichkeiten nach Malta gekommen ist, aber es traf sich sehr gut, dass er da war. Falls Ihr Euch fragt, wer das ist (hab ich im ersten Moment auch getan): Monsignore Marco Frisina ist ein italienischer Geistlicher, Chorleiter und Komponist u. A. von Filmmusiken. Unter Johannes Paul II. war er Kapellmeister der Lateranbasilika, er hat für diverse Fernseh- und Filmprojekte komponiert und hat mit Ennio Morricone zusammengearbeitet. Für Benedikt XVI. hat er Oratorien geschrieben und ist seit 20 Jahren Dozent an zwei päpstlichen Universitäten (ja, es gibt mehrere).









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