Hallo Ihr Lieben!
Deutschland zeigt sich momentan in 50 Shades of Grey, aber tröstet Euch: Auch auf Malta herrscht Winter. Die Temperaturen liegen irgendwo zwischen 10 und 16 Grad, es ist oft sehr windig und fühlt sich daher recht frisch an. Aber sobald die Sonne rauskommt, ist alles wunderbar.
Mittlerweile hat sich hier ein bisschen Routine eingespielt. In Deutschland bin ich meist freitags einkaufen gegangen und hab das Futter für die ganze Woche geholt. Hier läuft das ein bisschen anders. Obst und Gemüse kaufe ich bei Charlie, dem Gemüsemann. Der kommt dienstags und freitags mit seinem Truck und parkt dann den ganzen Tag quasi unterhalb von unserem Balkon. Die Qualität ist sagenhaft und die Preise unschlagbar. Ich hab heute beispielsweise zwei Kilo Kartoffeln, einen Blumenkohl, ein Kilo Zucchini (bzw. Marrow, das ist die hellere und kleinere Variante davon), vier Bananen und noch 15 Eier von freilaufenden Hühnern für sage und schreibe 12 Euro erlegt! Da kann man wirklich nicht meckern. Und weil die Sachen hier wirklich reif geerntet werden und sich nicht ganz so lange halten, ist es sinnvoller sich zwei Mal pro Woche mit Obst und Gemüse ganz frisch einzudecken.
Brot kaufe ich bei Tony, dem Bäcker, und zwar so ein typisch maltesisches Weizenbrot, das sowohl frisch als auch getoastet eine echte Delikatesse ist - ein Brot von etwa 500 bis 750 g gibt es für 1,10 Euro und so handtellergroße weiche Brötchen für 15 Cent. Einige der größeren Supermärkte hier bieten Online-Bestellungen an und liefern kostenlos ab einem Bestellwert von 75 Euro. Wenn ich das zusammenbekomme, lasse ich mir schon mal die Sachen liefern, vor allem wenn es schwere Sachen sind wie Saftkartons oder Mehl. Je nach Uhrzeit kommt die Lieferung dann noch am gleichen Tag. Wenn ich nur Kleinigkeiten brauche, die es weder beim Bäcker noch beim Gemüsehändler gibt, kann ich auch in die zahlreichen kleinen Tante-Emma-Läden gehen.
Es gibt aber auch einige Lidl-Filialen auf der Insel, und die nächsten beiden sind mit dem Bus ziemlich gut zu erreichen. Der Lidl hat gute Preise für Gouda, Parmesan und Frischkäse, außerdem hat er ein echt leckeres Schokomüsli und Früchtetee und Hundeleckerli, die Heinrich besonders gut kauen kann :-)
Ach ja, und alle zwei Wochen kommt ein Truck mit Reinigungs- und Hygieneprodukten in unsere Straße, quasi ein Rossmann auf Rädern. Da hab ich bisher noch nichts gekauft, aber meine Nachbarinnen sind ganz begeistert und kaufen dort immer ihr Waschmittel. Und neuerdings kommt donnerstags immer ein Fischhändler mit seinem Laster an den Kirchplatz gleich um die Ecke. Also alles total nah, und so macht es mir überhaupt nichts aus, dass die einzelnen Einkäufe auf die Woche verteilt sind.
Genauso ist es auch mit dem Waschen - in Deutschland hab ich nur einmal in der Woche die gesamte Wäsche erledigt, und mit einem Trockner war das auch kein Problem. Hier auf Malta haben wir keinen Trockner, aber bei 300 Sonnentagen und Seewind geht es auch gut ohne. Okay, im Winter, wenn die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, wäre ein Trockner schon nett, aber so verbrauchen wir schon ein bisschen weniger Energie - auch gut. Jedenfalls haben wir hier zwei Wäscheständer, also eigentlich eher anderthalb :-), und da passen maximal zwei Waschladungen drauf. Also passe ich immer gutes Wetter mit viel Wind ab und dann wird eben gewaschen, wenn es passt. Funktioniert auch prima!
Hier jetzt ein paar Beispiele, was ich die letzte Zeit so in der Küche fabriziert hab:
Das ist überbackener Fenchel. Früher mochte ich den überhaupt nicht, aber hier auf Malta hab ich mich schon ein paar Mal drangewagt, und er war immer lecker. Einmal geschmort mit viel Knoblauch und Zitrone über Spaghetti, ein anderes Mal mit Möhren und Arborioreis als Risotto und hier eben mit Mandelsahne und Parmesan überbacken.
Hier gibt es übrigens ganz frischen Knoblauch zu kaufen, der sieht fast genauso aus wie Frühlingszwiebeln. Ich hatte den erst gar nicht als solchen identifiziert, aber meine Vermieterin meinte, das sei junger Knoblauch, und den brauche man für die Füllung von Artischocken. Auf maltesische Art werden Artischocken nämlich nicht nur einfach so gekocht und mit Butter oder einer Sauce zum Dippen serviert, sondern gefüllt, und zwar mit besagtem Knoblauch, Petersilie und Thunfisch. Das musste ich natürlich ausprobieren. Da ich mich mit der Füllung verschätzt und noch reichlich übrig hatte, habe ich den Rest mit Kräuterfrischkäse vermischt, und das ergab einen superleckeren Brotaufstrich.
Diese Marrows, die ich zuvor schon erwähnt hatte, gibt es hier übrigens sowohl in länglich als auch in der runden Version. Das schreit quasi nach Füllung, beispielsweise wie hier mit Sojastückchen, Tomatenmark, Knoblauch, Mandelmehl und Reibekäse:
Dazu gabs Polenta mit viel Rosmarin und Meersalz - sehr zu empfehlen!
Letzten Sonntag waren wir mal wieder bei den Vermietern eingeladen. Zur Erklärung: Sonntags kommt die Familie immer zusammen, also Mary und Joe, die beiden Kinder mit den jeweiligen Ehepartnern und insgesamt drei Kindern. Man sitzt in der Küche zusammen auf der Bank vor dem Kamin und futtert Sandwiches, und kleine Häppchen, ähnlich wie Tapas, z. B. Bigilla (ein würziger Bohnendipp) mit Crackern, Schafskäse von Gozo, Oliven, Seafood, Pistazien, Chips - also kein steifes Essen, wo man die Kids nur sehen, aber nicht hören darf, sondern alles ganz formlos und entspannt. Und da ich nicht mit leeren Händen kommen wollte, hab ich ein Monkey Bread gebacken, denn das kann man gut auseinander zupfen und so, wie es ist, verspeisen. Im Wesentlichen ist das übrigens ein Hefeteig, der in kleine Bällchen geformt wird. Die Bällchen kommen dann in zwei Lagen in eine Springform, dazwischen kommt eine gute Portion Pesto und Reibekäse, und man kann die einzelnen Bällchen auch noch mit geschmolzener Butter bestreichen - das fand ich aber etwas viel des Guten. Ist übrigens gut angekommen!
Als letztes gibt es natürlich auch noch was Süßes. Seit kurzem haben wir ein neues Küchen-Gadget. Eigentlich hätte ich das nicht wirklich gebraucht, aber jetzt, wo das Ding da ist, finde ich es eigentlich gar nicht so schlecht. Das Vehikel sieht ein bisschen aus wie eine moderne Kaffeemaschine, also hinten ein Wassertank, oben ein Zutatenbehälter und vorne ein Auslass - und es macht in kürzester Zeit Pflanzenmilch. Man packt einfach eine Handvoll Mandeln oder Cashewnüsse oder Haferflocken oderoderoder rein, füllt den Wasserbehälter und drückt auf ein Knöpfchen. Dann mahlt und filtert und häckselt das Gerät und füllt in weniger als drei Minuten eine schicke Glasflasche mit frischer Pflanzenmilch. Wir machen damit unsere morgendlichen Smoothies, geben sie übers Müsli und wir arbeiten sogar an einer Barista-Variante mit Haferflocken und Cashews.
Dabei entsteht natürlich eine Art Trester, der zum Kompostieren zwar geeignet, aber viel zu schade ist. Also hab ich den genommen und in Kombination mit etwas Weizenmehl, Zucker und Backpulver eine Art Rührteig fabriziert. Obwohl er quasi nicht aufgegangen ist, war er trotzdem relativ leicht - schmeckte wie ein Nuss-Mandel-Kuchen - absolut lecker! Ich könnte mir aber auch vorstellen, damit solche Bliss Balls oder Energy Balls zu machen, z. B. mit Kokosraspeln, getrockneten Früchten oder Kakao. Gibt also noch viel zu testen. Aber der Kuchen war schon mal ein guter Anfang...
In diesem Sinne: Gehabt Euch wohl und probiert immer mal wieder was Neues aus!





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