Montag, 15. Juni 2020

Nichts ist so konstant wie Veränderung


Ja, aber was, wenn nicht???

Huhu, Ihr Lieben!

Ihr wundert Euch bestimmt, warum hier letzte Woche Funkstille herrschte, obwohl ich doch Urlaub hatte. Aber ich hatte mich ein bisschen festgebissen und wollte mich erst nach Vollzug melden :-)

Also, hier mal von vorne: In meinen Vorsätzen für dieses Jahr hatte ich Euch ja schon erzählt, dass ich eine Bluse mit Kelchkragen nähen wollte und den Stoff dafür auch schon zu Hause hatte. Einen Schnitt hatte ich mir auch schon rausgesucht, den ich nur noch hätte kaufen und ausdrucken müssen. Und dann kam Polly - äh, Corona. Genauer gesagt, die Anweisung von zu Hause aus zu arbeiten. An sich kein Problem, aber wir haben daheim keinen Drucker, und selbst wenn ich privates Papier mit in die Firma bringen würde, rechtfertigt so ein privates Nähprojekt nun wirklich nicht, in die Firma zu fahren, sich und andere einem Risiko auszusetzen, nur um ein Schnittmuster auszudrucken. Diese Option fiel also raus, es gäbe natürlich noch die Möglichkeit, ein Papierschnittmuster (für den doppelten Preis) zu kaufen und es sich zuschicken zu lassen. Hmmm, jetzt hatte ich mich endlich entschlossen, das Projekt in Angriff zu nehmen, also wollte ich nicht auf die Post warten.

Daher Planänderung: Kein fertiges Schnittmuster, sondern selbst eins erstellen. Praktischerweise gab es zu dem ursprünglich vorgesehenen Wunsch-Schnittmuster ein Video mit Nähanleitung, da konnte ich mir die einzelnen Schnittteile ganz gut anschauen. Und was ich sonst nie mache, erschien mir bei dieser speziellen Kragenform aber doch angebracht: Ich wollte ein Probe-Exemplar nähen, bevor ich mich an den richtigen Stoff wage. Also hab ich ganz oben aus dem Schrank ein Bettlaken hervorgezerrt, das ich eigentlich als Tischdecke für unseren Malertisch verwende, wenn wir diesen als Buffett-Tisch bei Parties zweckentfremden. Der Stoff hat leider im Laufe der Zeit ein bisschen gelitten, sprich er hat ziemlich hartnäckige Rückstände von Rotwein, Bratensauce und ähnlichen Fleckenzwergen. War mir aber egal, es ging mir ja nur darum, mein Schnittmuster auf Stoff zu übertragen und eventuelle Schnittanpassungen auszuprobieren. 

Dann hab ich mir eine vorhandene, gut passende Bluse geschnappt und deren Schnitt auf Papier übertragen (ich hatte noch größere Bögen Geschenkpapier, die sich hierfür gut geeignet haben). Das Vorder- und die Rückenteile sowie die Ärmel waren ganz easy und konnten quasi ohne große Änderung übernommen werden. Manschetten habe ich frei Hand gezeichnet, und dann habe ich am Halsausschnitt den Kelchkragen skizziert und entsprechende Belege (also eine Art Futter für den Kragen) angefertigt. Das Ganze hab ich dann aus dem Bettlakenstoff zugeschnitten und zusammengenäht, allerdings die Manschetten nur einfach, ohne Vlieseline-Verstärkung von Kragen und Manschetten und ohne die Nähte zu versäubern. Und oh Wunder, ich musste nur ein bisschen was am Kragen anpassen, und dann passte die Bluse schon ganz gut.


Ich konnte mich also an den Originalstoff ranschmeißen, und - ohne mich jetzt selbst loben zu wollen - die Bluse ist echt gut geworden.


Ich wollte sie dann ganz stolz dem Wetterhamster präsentieren und musste zu meinem Leidwesen feststellen: Der blöde Stoff lädt sich statisch auf und klebt wie ein Duschvorhang an meinem Körper! So ein Mist! Ich war echt enttäuscht, weil ich mir von dem Stoff echt viel versprochen hatte. Mir war schon klar, dass das keine Naturfaser war, aber bisher hatte mich mit Kunstfasern eher gute Erfahrungen gemacht. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.

Welche Optionen blieben mir jetzt? 
  • Ich könnte die Bluse mit einem Futter versehen - nö, dann ginge die Leichtigkeit verloren.
  • Unterhemd drunter tragen - hab ich versucht, hat nicht geholfen.
  • Da ich ein enganliegendes Top nie tragen würde, bliebe als einzige Variante eine gesmokte Bluse - sodass sie zwar anliegt, aber durch den vernähten Elastikfaden trotzdem bequem zu tragen ist. Ja, das ginge, aber wenn ich ehrlich bin, würde ich die auch nur anziehen, wenn ich gleichzeitig 10 kg weniger Bauch mit mir rumtragen würde. Da das in den nächsten zwei, drei Wochen wohl nicht passieren wird, habe ich die Bluse so, wie sie ist, wieder in meine Stoffkiste gestopft und werde das Material wohl als Futterstoff für Taschen und Täschchen benutzen :( 

Und dann war da ja noch das Probeteil...

Nachdem der erste Ärger verraucht war, hab ich mich dann dem Probeblüschen gewidmet und habe alle Nähte ordentlich versäubert und die Manschetten doppelt angenäht. Blieb das Problem mit den Flecken, weshalb ich das gute Stück eine ganze Nacht lang in Fleckensalz und Wasser eingeweicht hab.


Nach dem Trocknen waren die Flecken zwar heller geworden als auf dem ersten Bild, aber sie waren immer noch da, und ich hätte sie wohl rausschneiden müssen, um sie zu entfernen :-) Ich hätte jetzt natürlich hingehen können und die Bluse einfärben - gibt ja jetzt so tolle Trends zum Färben mit Naturmaterialien, z. B. Kurkuma, Schwarztee oder Rote Beete, aber erstens fand ich das Weiß sehr schön, zweitens gehen solche Färbeaktionen auch gerne mal schief und drittens war nicht sicher, ob die Flecken nicht doch in irgendeiner Form sichtbar blieben. Das waren mir dann zu viele Unwägbarkeiten - ich wollte nicht noch eine Planänderung...

Also hab ich gedacht, mach ich halt was über die Flecken, dann sind sie auch nicht mehr sichtbar. Erste Idee: Stickerei, wie ich sie bei dem Baby Bonnet mal gemacht hatte. Hmm… Zweite Idee: Applikationen, aber nicht so fein säuberlich, sondern eher mit so ausgefransten Säumen wie man sie von Alabama Chanin Designs kennt. Ja, hat was!

Erster Versuch mit doppeltem Nähgarn und Spiralstickerei:


Auf der Bluse selbst hab ich dann aber konzentrische Kreise mit mercerisierter Baumwolle gestickt:


Ich bin sehr zufrieden damit! Momentan habe ich tatsächlich nur dort appliziert, wo auch Flecken waren, aber möglicherweise werde ich noch den einen oder anderen Kreis hinzufügen. Die Grenze zwischen schön und zu viel ist aber hauchdünn, und deshalb lasse ich es jetzt erst mal so.

Fazit: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Und wenn er nicht funktioniert, muss er so lange geändert werden, bis er funktioniert :-)

In diesem Sinne - viel Spaß beim Pläne schmieden und umsetzen!!!

2 Kommentare:

  1. Kreativität zahlt sich aus - well done! :-)

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  2. Vielen Dank! Übrigens hab ich mir überlegt, eventuell eine ganz leichte Vlieseline (H180 z.B.) einzubügeln in Vorder- und Rückenteil - vielleicht kann ich die blaue Bluse dann doch noch retten... Ich werde berichten :-)

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