Mein allererster entstand für Marlene, das Nachbarsmädchen, daher natürlich in Rosa. Kleine Hintergrundinfo: Wenn die Amish People ihre Quilts nähen (übrigens häufig komplett von Hand), arbeiten sie immer einen kleinen Fehler ein, um den Quilt ein bisschen unvollkommen zu machen, denn ihrer Ansicht nach kann nur Gott vollkommen sein. Nun ja, ich schätze, in meinem ersten Quilt findet sich durchaus die eine oder andere Unvollkommenheit, allerdings hat das überhaupt nichts mit Religion zu tun :-)
Als nächstes hab ich mich fast ein bisschen übernommen, ich hatte mir nämlich einen Quilt fürs Wohnzimmer in den Kopf gesetzt, in den ich mich komplett einkuscheln konnte (nicht nur so ein Deckchen für den Schoß), und das Riesenmonster hat mich und meine Nähmaschine fast an unsere Grenzen gebracht. Aber die Farben passten genau in unser damaliges Wohnzimmer, und das Muster hat mir in seiner Schlichtheit unglaublich gut gefallen. Im Nachhinein hätte ich mich leichter getan mit einem Obertransportfuß für die Nähmaschine und einem dünneren Füllmaterial, aber dafür ist der Quilt auch besonders warm.
Für Sarah wollte ich unbedingt was Schwarzes, am liebsten mit so barocken Mustern, aber auf besagtem Holländischen Stoffmarkt war nix zu bekommen, zumindest nicht in Baumwolle, und an Samt oder Brokat wollte ich mich mit meinen doch recht beschränkten Näh-Kenntnissen nicht heranwagen. Tja, also schnörkelig war der Plan, aber herausgekommen ist dann ein ganz geradliniger Quilt, aber immerhin ist es bei Schwarz als dominierender Farbe geblieben.
Kurze Zeit später verkündete mir meine allerliebste Sekretariatskollegin Dani ihre ganz persönliche frohe Botschaft, und es verstand sich von selbst, dass ich auch sie mit einer Decke bedenken würde. Für Luise gab es einen Quilt aus hellblauem Vichy-Karo kombiniert mit Denim und quietscheroten Windmühlenflügeln. Hier habe ich die fransige Stoffkante absichtlich drangelassen, um den Flügeln noch das gewisse Etwas zu geben.
Das Ergebnis fand mein sächsischer Wetterhamster offensichtlich so gut, dass er kurzerhand seinem Arbeitskollegen, der ein paar Tage zuvor Vater eines kleinen Jungen geworden war, ebenfalls eine Decke als Geschenk versprach. OK, es war Ostern, das Wetter war ätzend, und so hab ich ein paar Tage durchgearbeitet. Friedrich bekam dann diesen Quilt mit viel Denim und bunten Akzenten.
Da ich das Bild seinerzeit auf Facebook gepostet hatte, wurde eine ehemalige Arbeitskollegin von mir aufmerksam und hat mich kontaktiert. So kam es zu meiner ersten und einzigen Auftragsarbeit für eine Babydecke. Gottseidank ließ sie mir völlig freie Hand, was das Design anging, und da ich den oder die Beschenkte nicht kannte, hab ich mich für neutrale, nicht ganz so baby-typische Farben und ein schlichtes, unaufgeregtes Muster entschieden. Die einzelnen zusammengenähten Stoffstücke waren ungefähr 5 x 5 cm groß, und das war eine ziemliche Fummelei. Aber das Ergebnis ist echt hübsch geworden und kann auch noch verwendet werden, wenn das Kind den Babyschuhen entwachsen ist.
Obwohl das Muster ziemlich aufwändig war, hat es mir so gut gefallen, dass ich den Stil nochmal aufgegriffen hab, diesmal für meine Schwester. Ilka und ihr Mann haben viel naturbelassenes Holz und helle Farben in ihrer Einrichtung, und ich dachte, der Quilt könnte ganz gut dazu passen.
Waren bei dem Auftragsquilt alle Quadrate identisch und vollkommen symmetrisch angeordnet, habe ich bei dem Schwesterquilt abwechseln Reihen von vier und drei Quadraten genäht, und in den Reihen mit vier Quadraten gab es einen Farbtupfer in Weinrot, wohingegen ich in den Reihen mit drei Quadraten jeweils Akzente in Sonnengelb gesetzt habe. Soweit ich weiß, verziert die Decke jetzt einen gemütlichen Lesesessel.
Bei der Reihenfolge komme ich gerade ein bisschen ins Schwimmen, aber teilweise habe ich auch parallel an verschiedenen Decken gewerkelt, deshalb kann ich es nicht so genau sagen. Jedenfalls hatte ich schon lange eine Kombination aus Denim und rotem Vichy-Karo im Kopf, und außerdem wollte ich ein wonky Log Cabin-Muster (Log Cabin = Blockhütte) ausprobieren. Das Log Cabin-Muster ist sehr traditionell, und dahinter steckt tatsächlich (wie so oft bei traditionellen Mustern) eine Bedeutung. Ursprünglich ist immer ein rotes Quadrat in der Mitte als Symbol für das zentrale Herdfeuer der Hütte, wobei die Farben drumherum zu einer Ecke hin heller und zur gegenüberliegenden Ecke dunkler werden, und versinnbildlichen so, wohin das Feuer leuchtet, und wohin kein Licht kommt. Das rote Herdfeuer habe ich übernommen, danach habe ich aber eine modernere Adaption mit schrägen, unsymmetrischen Stoffstücken gewählt, die ich ringsum das Quadrat genäht hab, ohne auf die Farbverteilung zu achten. Ich wollte nur die Stoffstücke möglichst effektiv einsetzen.
Ich muss aber gestehen, dass es mir im Laufe der Zeit echt etwas mühselig wurde, die teilweise doch recht schweren Decken durch die Nähmaschine zu fummeln. Allein der Jeans-Quilt wiegt doch eine ganze Menge. Nur zur Erklärung: So ein Ding besteht aus drei Schichten (Rückseite, Volumenvlies, Oberdecke), und gerade die Oberdecke bekommt nochmal zusätzliches Gewicht durch die zahlreichen Nähte. Und dazu kommt: Wenn man bei einer Decke von gut anderthalb Metern Breite oder Länge genau in der Mitte eine Naht setzen will, ist das links von der Nähnadel relativ egal, aber rechts von der Nadel muss man dann in die Lücke bis zum Arm der Nähmaschine den halben Quilt durchschieben. Ich roll das Material immer auf, und schiebe dann diese Rolle durch die Lücke, aber aufwändig und ein bisschen anstrengend ist es schon. Deshalb war ich auf der Suche nach einer Lösung, die mir und meiner Haushalts-Nähmaschine entgegen kommt und bin auf die Quilt as you go-Methode gestoßen. Das heißt, dass man immer nur einzelne Blocks zuschneidet und diese quiltet (also alle drei Lagen mit Nähten verbindet) und dann zusammennäht; erst einzelne Blocks, die zu Reihen verbunden werden, und dann werden die Reihen miteinander vernäht. Im Idealfall hat man so immer den Löwenanteil des zu verarbeitenden Materials auf der linken Seite der Nähnadel.
Das erste Projekt nach dieser Methode war ein Geburtstagsquilt für meine Mama. Da sie es gerne "ein bisschen aufgeräumt" hat, habe ich ein schlichtes Muster gewählt und als Stoff wieder mal ein Vichy-Karo. Etwas außergewöhnlich hieran sind die fransigen, deutlich sicht- und fühlbaren Nähte - im Englischen ein sogenannter Rag-Quilt (rags = Lumpen oder Fetzen). Das bedeutet, man näht die einzelnen Blocks zusammen, versäubert die Nahtzugaben nicht, sondern schneidet sie ein, sodass sie nach ein, zwei Wäschen ganz puschelig werden und die einzelnen Blocks einrahmen. Sozusagen ein 3D-Effekt.
Das hat richtig gut geklappt, und deshalb hab ich nach eben diesem Prinzip gleich noch mal zwei schmälere Quilts für unsere Terrasse gemacht.
Danach habe ich eine ganze Weile keinen Quilt mehr genäht, aber dann kam der Geburtstag meiner Schwiegermama, und weil ich vor kurzem über dieses entzückende Muster gestolpert bin, musste das einfach sein! Ein moderner Quilt as you go mit Einfassung um die Blocks im Miezekatzen-Muster (wieder mal), und das Besondere an dieser Decke sind die Katzenohren, die nur an der Unterkante angenäht sind und ansonsten locker-flockig vor sich hin wackeln können. Bin mal gespannt, ob die lebenden Miezen von Schwiegermama die Stoffmiezen leben lassen :-)
















Das ist ja eine tolle Sammlung und jede Menge Arbeit. Alle Achtung! Hat sich die Schwiegermama gefreut? Ich hoffe doch.
AntwortenLöschenHat sie definitiv, Dankeschön!
AntwortenLöschen