Mittwoch, 30. Oktober 2019

Trick or treat or what?


Letztens im Netz gelesen: 
You know you are German when you went with your Laterne 
and your Laterne went with you :-)

Stimmt, so war das. Und jeder von uns hat im Kindergarten und in der Schule Laternen gebastelt, dann sind wir mit dem Sankt Martins-Zug gegangen (der Rheinländer an sich hat ja sowieso 'ne Affinität zu Zügen), Martin hat zwischendurch den Mantel geteilt, dann gab es ein tolles Feuerchen und Weggemännchen (auf Hochdeutsch: etwa 20 cm hohe Figuren aus süßem Weißbrotteig, auch Weck genannt, mit Rosinenaugen und einer Pfeife). Diese Weggemännchen gibt es andernorts in Deutschland teilweise zu Nikolaus, aber bei uns gab es die zu Sankt Martin. Mit dem Bettler hat er den Mantel geteilt, mit den Kindern das Brot - schöne Analogie.

Und was es heute gar nicht mehr gibt (wohl aber zu meiner Kindheit, als die Dinosaurier noch existierten, you get the picture…): Nach diesem ganzen offiziellen Martins-Gedöns wurde es hinterher noch richtig lustig. Bewaffnet mit der Laterne und einem Beutel (auch das kennen die Rheinländer vom "Zoch") und ein paar Kumpels im Gepäck ist man durch die Nachbarschaft gelaufen, hat geklingelt und gesungen: 

Hier wohnt ein reicher Mann, 
der uns was geben kann. 
Lass uns nicht so lange steht, 
denn wir müssen weitergehn, weitergehn!" 

Und dann wurde vom besagten reichen Mann Süßkram in die mitgeführten Beutel abgefüllt, und die Bande zog weiter zum nächsten Nachbarn. Abgesehen davon, dass das Liedchen nicht mehr gendergerecht ist, kennt den Brauch heute kein Kind mehr. Eigentlich schade. Und das meine ich nicht, weil ich die Amerikanisierung der Welt anprangern will, sondern es - verfressen wie ich nun mal bin -  bedauerlich finde, dass den Kindern eine weitere Chance auf Süßigkeiten entgeht :-)

Aber dafür gibt es ja seit einigen Jahren ein Fest, das über den großen Teich zu uns gekommen ist - Ihr ahnt es schon, das Ding mit dem Kürbis: Halloween. Verkleiden gehört auch dazu, daher ist es den Rheinländern gar nicht so fremd; und die Sache mit dem "Trick or Treat" oder auf Deutsch "Süßes, sonst gibt's Saures" hatten wir auch schon mal - siehe oben, nur eben gesungen. Insofern halte ich es für Quatsch, jetzt moralinsauer rumzumosern, früher war alles besser und alles aus Holz und überhaupt, muss man alles aus den USA übernehmen, wir haben doch selber, blablabla. Blödfug! Ich finde, wir sollten die Feste feiern, wie sie fallen, und somit hat beides seine Berechtigung! Insofern hab ich für morgen schon die Süßkramschüssel bereitgestellt und überlege noch, ob und wie ich mich verkleide...

Zum Thema passend noch ein paar Dekobildchen. Das ganz oben ist übrigens ein Betonkürbis, den ich mit Hilfe von einer Nylonsocke und Gummibändern selbst geklöppelt hab. Der Mumienkürbis wurde nur in Mullbinden eingewickelt und mit Augen beklebt, sodass wir ihn hinterher noch essen konnten. Flankiert wurde er übrigens von Blattgeistern - Laub aufgesammelt, mit weißer Farbe bepinselt und mit schwarzem Filzstift bemalt, fertig! Nicht zu vergessen die kleinen Batmänner aus Eierkartons, die das Bild vervollständigen. 


Und zu guter Letzt noch zwei geschnitzte Kürbisse, einer in mühevoller Kleinarbeit vom sächsischen Wetterhamster gefertigt und einer von mir - wer von wem, ratet selbst, dürfte nicht schwer sein...



Insofern meine Weisheit des Tages: 
Auf die Frage "Entweder oder" 
ist eine gute Antwort "Sowohl als auch" :-)


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen