Dienstag, 29. Oktober 2019

Paralleluniversum

Mein sächsischer Wetterhamster ist der festen Überzeugung, dass Frau nicht nur Ersatzgarderobe, Werkzeugkasten, Zweimannzelt und Medizinschrank, sondern ein ganzes Paralleluniversum in ihrer Handtasche mit sich trägt. Ganz abstreiten will ich das nicht, und das ist ein guter Grund, Taschen und Täschchen einen separaten Beitrag zu widmen. Achtung, das wird extrem fotolastig!

Wenn man mal weiß, wie ein Reißverschluss eingenäht wird (ist gar nicht schwer, ehrlich), und mit der Maschine einigermaßen geradeaus nähen kann, gibt es eigentlich nix dankbareres als Taschen. Kann man selbst immer brauchen, aber auch gut verschenken. 

Angefangen hat der Taschenwahnsinn bei mir mit Kosmetiktäschchen für die Mädchen unter uns:





Diese hübschen, kleinen Pyramidentäschchen mit den praktischen Karabinerhaken hab ich seinerzeit in Bausch und Bogen im Freundes- und Familienkreis verteilt. Sei es für Kleingeld, Leckerli, faltbare Einkaufstaschen oder den Einkaufswagen-Chip, das Ding ist einfach universell einsetzbar.



Zur Verabschiedung einer Arbeitskollegin, die ebenfalls Hundebesitzerin ist, habe ich mal eine Gassitasche genäht. Innen gab es zwei Fächer für Mobiltelefon und Portemonnaie, außerdem eine Klappe ohne fummeligen Verschluss, einen Karabinerhaken für den Schlüsselbund, hinten außen ein Leckerlifach, das man schnell erreichen kann, damit die Fellnase nicht lange auf die Belohnung warten muss, und dann noch ein Fach mit Gummizugverschluss, in das eine Kackebeutel-Rolle exakt reinpasst, und die man über diese Gummizugöffnung prima entnehmen kann. Und weil man auch bei trübem, grauen Mistwetter Gassi gehen muss, sollte sie besonders farbenfroh sein. Nicht zu groß, aber auch nicht zu klein, sodass sich zur Not noch ein Regencape, Handschuhe oder eine Wasserflasche unterbringen lässt. Et voilà:




Zur Wiesn- oder Wasn-Zeit sind so kleine Handtäschchen schön und praktisch:




Beauty comes in all shapes and sizes :-)





Und weil wir zwischenzeitlich alle auf Einweg-Plastiktüten verzichten, ist das ein hervorragender Anlass zum Einkaufstaschen nähen (sorry, die letzte war beim Ablichten noch nicht gebügelt):





Von den nächsten drei Beispielen hatte ich zuerst nur die oberste Tasche genäht, und war begeistert, wie einfach sich das Material verarbeiten ließ. Dann sah sie mir aber trotz der Farbe zu sehr nach Jutebeutel oder so eine Einkaufstasche aus den 60er Jahren aus, und ich hab kurzerhand eine Clutch und eine etwas größere Pyramidentasche daraus recycelt. Viel besser!




Das ist übrigens Kunstleder und kann total edel aussehen, hier zum Beispiel ein Bucket-Bag und Portemonnaie in einem Perl-Rosa:




Nachdem ich mit Kunstleder experiment hatte, habe ich mich an veganes Leder gewagt, das es zwischenzeitlich von verschiedenen Herstellern gibt. Das ist zumeist ein Material auf Papierbasis, das wie Leder (Vileda?) aussieht, und wenn man weiß, wie, auch gut zu verarbeiten ist. Zunächst wirkt es wie steife Bastelpappe, aber man muss es nass machen und zerknüllen, dann bekommt es seine lederartige Struktur. Wenn das Objekt während des Nähens zu sperrig wird (z. B. beim Wenden), einfache erneut nass machen, und dann wehrt es sich nicht mehr.

Die beiden Taschen waren als Set für die Reise gedacht, und zwar hatte ich mir überlegt, ich hätte gerne einen Rucksack, der schlicht/elegant und nicht so sportlich aussieht, und den man idealerweise auch noch als Tasche/Shopper verwenden kann. Damit ich aber am Flughafen nicht immer den Rucksack nach vorne zerren muss, um Pass und Telefon hervorzukramen, wollte ich noch ein passendes Umhängetäschchen, in das genau diese Sachen reingehen. Rausgekommen ist dabei ein Rucksack mit Reißverschluss inspiriert von den Roll-Rucksäcken, die man durch Entrollen noch vergrößern kann. Im Gegensatz dazu hab ich den oberen Teil nicht gerollt, sondern einfach nur runtergeklappt. Hinten hab ich eine relativ einfache Gurtband-Konstruktion vernäht für den Wechsel zwischen Rucksack und Schultertasche. Die kleine Tasche hat das gleiche Gurtband, nur schmaler, und beide sind mit Quasten/Troddeln/Tassels verziert, damit sie als Set erkennbar sind.



Und wo wir gerade beim Reisen sind, darf ein Kulturbeutel-Set auch nicht fehlen. Einmal eine große Waschtasche, in die ordentlich was reingeht, dann ein kleines Kosmetiktäschchen und eine Pinselrolle, die ich ziemlich niedlich finde - Mädchenkram halt.


Die ganzen Täschchen sind ja alle sehr süß, aber bei Handtaschen - finde ich zumindest - muss man immer aufpassen, dass sie handgemacht, aber nicht selbstgemacht aussehen, falls Ihr wisst, was ich meine. Hier nochmal ein Beitrag zum Jeans-Recycling, und ich denke, die kann Frau ganz gut tragen, ohne dass sie selbstgebastelt aussieht (also die Tasche, nicht die Frau). Ich hoffe, mein Schwesterlein sieht das ähnlich :-)


Ja, und was fehlt noch in den ganzen Taschen? Klar - ein Portemonnaie! Erst mal ganz einfach, nur mit einem Steckfach für Scheine, einem Reißverschlussfach für Münzen und einem Fach für das Mobiltelefon. 



Etwas komplizierter wurde es hier mit zwei Reißverschlussfächern, Steckfach für Scheine und einer ganzen Batterie an Kartenfächern. Ich gebe zu, das Innenfutter lenkt ein bisschen ab, aber Ihr bekommt einen Eindruck.




So, und jetzt klappe ich das Paralleluniversum wieder zu :)


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